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Und hier liegt der erste Teil der Geschichte von Ole und Bob ab 12.03.2020

02.04.2020
Ein ruhiger normaler Abend wird abgelöst von einem turbulenten Morgen - die Morgenfütterung um 6 Uhr verläuft wieder ohne Ergebnis, und das hat nichts mit der Milch zu tun, wir bieten beide Sorten an und sie lehnen sie beide ab, sie sind viel zu sehr mit turnen und erkunden beschäftigt, spielen, springen, herumquirlen. Mittlerweile springen sie uns selbstverständlich an und rasen an uns herauf und herunter, spielen auf uns fangen, lassen sich quer durchs Zimmer auf das Couchkissen werfen, beim Flug werden korrekt alle Viere ausgestreckt. Nach der Landung müssen sie sich kurz sortieren, dann gibt es, vermutlich als Übersprungshandlung, einen kleinen Snack an der Nußbar, und dann gehts weiter, je wilder desto besser. Und weil einfaches stehen oder gehen auf Dauer langweilig ist tanzen ihre Gastgeber jetzt auch den Hörnle-Mambo mit ihnen, also gehts mit viel Bewegung durchs Wohnzimmer. Die beiden sind wirklich Super-Ole und Super-Bob...und der hat auch schon seinen ersten Ausflug in die Küche, wo er gar nicht hingehört, das Absperrbrett ist nicht ganz richtig festgeklemmt, und als er sich gegen den Spalt wirft kann er hindurch flutschen und steht im Eßzimmer/Küche, Degu Flocke flitzt wie der Blitz in seinen Käfig, der hatte gerade Ausgang, und verharrt dort verdattert. Unser Bob ist aber ein lieber Bursche, er kommt sofort zu seinem Gastgeber und kann wieder ins Wohnzimmer zurück gebracht werden. Trotzdem werden wir in Kürze das höhere Brett für die Tür brauchen, denn Ole und Bob interessieren sich schon sehr für den Durchgang...Bob hat jetzt auch den Weg unter die Jacke seines Milchspenders gefunden und gibt dort das U-Boot-Hörnchen, das gibt wieder Kratzer, denn zwischen seinen Krallen und der Haut befindet sich nur ein T-shirt.
Am Mittag tolle neue Nachrichten: unsere WG erhält Verstärkung durch ein kleines Mädel aus Dortmund, von einer Baustelle an der B1 (Westfalendamm) kommt ein ungefähr 6-7 Wochen altes Eichkätzchen mit ganz dunklem Fell und feinen grauen Haarspitzen. Sie war schon einen Tag bei einer anderen tierlieben Helferin, die sie dann an uns weiterreicht; die Kleine hat keine sichtbaren Verletzungen, sie ist ordentlich genährt, hat ein wunderbar weiches flauschiges Fell, nichts deutet auf Parasiten oder z.B. Durchfallprobleme hin, sie ist nur gaaaanz schüchtern. Nach unseren Erfahrungen mit Kara im letzten Herbst kommt sie erst einmal in Quarantäne, wir wollen sie noch nicht zu den Jungs setzen, erst einmal soll sie ankommen und wir wollen natürlich sehen, ob sie uns nichts einschleppt. Altersmäßig ist sie nicht so weit entfernt von Ole und Bob, das könnte mit einer gemeinsamen Auswilderung Anfang Mai hinhauen, wenn...ja wenn die drei miteinander auskommen und die Buben sie ein wenig mitziehen in der Entwicklung. Bei Krümel und Co. hat das letztes Jahr super hingehauen, wir sind gespannt. Zunächst lassen wir sie mal zur Ruhe kommen, später bieten wir Elektrolyte an und an der Milch darf sie auch schon mal schlubbern. Wir werden jetzt in kürzeren Abständen immer mal wieder versuchen, ihr Flüssigkeit beizubringen, beim zweiten Versuch leckt sie schon mal vorsichtig an der Lippe. Sie nutzt jede Möglichkeit, sich sofort aus dem Staub zu machen, aber das nützt nichts, weit kommt sie nicht. Sie übernimmt jetzt erst einmal den Laufstall, den die Jungs nicht mehr brauchen, das Tipi soll ihr Rückzug bieten. Ziel ist natürlich, so bald wie möglich die Hörnchen zusammen zu bringen.
Und als ob es des Glückes nicht genug wäre: auf dem Balkon zeigt sich auch noch ein Kostgänger, der Rosti sein könnte, er sieht aber etwas zerrupft aus und leert die Station mit den Sonnenblumenkernen für die Vögel. Rosti im Fellwechsel? Ein anderes, bisher unbekanntes Hörnchen? Egal, es ist willkommen.
Schoko
                    2020
Bob 2020
Schoko
                    2020


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03.04.2020
Die Spätfütterung kommt für unseren Neuankömmling noch zu früh, ein paar Tropfen Elektrolyte, mehr geht nicht, wir lassen sie schlafen. Die Jungs sind quirlig, nach der Extraportion Milch bleiben sie auf dem Kletterbaum, wo wir sie auch morgens dann noch finden, sie sind also jetzt auch flexibel, was ihren Schlafplatz angeht.
Nachts starten wir noch einen Versuch bei Schoko, so haben wir die Dortmunderin jetzt getauft, sie möchte aber nun mal so gar nicht...aber bei der Frühfütterung morgens legt sie ihre Fluchttendenzen ein wenig ab, nimmt Elektrolyte (sie schmatzt ganz niedlich, sie zieht noch nicht richtig an der Spritze sondern fängt die Tropfen vorn am Sauger auf), einen halben Milliliter Fox Valley lässt sie auch noch zu, Pipi geht noch nicht, naja lassen wir das Wasser erst einmal durchlaufen. Sie scheint nicht mehr ganz so superängstlich zu sein, putzt sich auch ausgiebig, alle vier Schneidezähne sind da, der Schwanz ist noch nicht richtig aufgeplustert, ihr Kopf ist noch ein wenig "babyrund", auf den Bildern oben sieht man den Unterschied zu Bobs edlem Schädel. Wir sehen keine Flöhe oder andere Bewohner, sie kratzt sich auch nicht, ihr Anus ist sauber und unauffällig, sie bewegt sich ganz normal und sogar ziemlich schnell für ihr Alter, das könnte aber auch die Panik sein, die sie in der neuen Umgebung empfindet. Wir sind immer noch begeistert von ihrem edlen grauen Fell und den schwarzen Püscheln, da ist auch noch reichlich Unterfell drunter. Wir sind gespannt, ob noch mehr ihrer Geschwister den Weg zu uns finden, da gibts offensichtlich einen unglücklich hinter einer Klimaanlage an einem Haus gebauten Kobel. Aber wenn Schoko heil bei uns angekommen ist, warum nicht noch andere Mitglieder der Familie?
Schoko bleibt erst einmal noch Einsiedlerin im Laufstall, Vorsicht ist die Mutter der Porzellan..., bitte nicht noch einmal eine ganze Bude mit durchfallverseuchten Hörnchen, das braucht kein Mensch.
Den Rest des Tages passiert so viel...während wir uns morgens noch über einen halben ml Milch freuen, nimmt sie bei der Spätfütterung um 23 Uhr schon 3 ml, völlig unaufgeregt, sie will nicht mehr fliehen, wendet sich interessiert der Spritze zu und schlabbert, bis sie satt ist. Angepinkelt hat sie uns beide schon ausgiebig, selbst bei der Urinstimulation schafft sie es, jenseits von Pad und Papiertuch auf Hose und Pulli zu strahlen...Niere und Blase funktionieren prächtig, Aussehen und Geruch des Urins sind perfekt. Uns drängt sich aber der Eindruck auf, dass Schoko schon den einen oder anderen Tag "draußen" in der Wildnis oder im Stadtdschungel in der Nähe des Westfalenstadions zugebracht haben muss, sie ist irrsinnig schnell, ihr Antritt läst Usain Bolt zu seinen besten Zeiten sehr blaß aussehen, sie springt ohne zu zögern und bei jeder Gelegenheit, ist sehr wendig und weiß genau, was sie will; bei dem Versuch der Urinstimulation quirlt sie so hin und her und dreht sich trotz "Degu-Rucksackgriff" in der Hand um 180 Grad, dass sie praktisch nicht zu halten ist. Vielleicht ist sie auch älter als geschätzt und einfach nur ein wenig klein. Gut, dass sie schon selbständig pieseln kann, und das nicht nur im Panikmodus. Wenn wir sie fassen müssen, z.B. um sie aus ihrem Kobel zur Fütterung zu holen, springt sie zunächst auf die sich vorsichtig nähernde Hand, beißt aber nicht und wehrt sich auch nicht weiter, und wenn sie erst einmal in der Hand sitzt, ist auch alles gut, bis sie satt ist oder Veränderung braucht, dann löst sie sich und tigert durchs Bad, wo ihre provosorische Quarantäne ist. Die Jungs verleben einen eher trägen Tag, vielleicht weil es draußen grau ist (?), gegen Abend lassen sie sich noch einmal animieren, bei der Spätfütterung geben sie wieder die halbverhungerten vernachlässigten Tiere und stopfen alles in sich hinein, was nicht bei 3 auf dem Baum ist.
Poah, was für ein Tag. Jedenfalls gibts keine Nachtschicht, die ist nicht notwendig, Schoko ist nicht von Mangel bedroht, die 6 Stunden bis zur nächsten Fütterung wird sie überleben.

04.04.2020
Gestern hat sich kein weiteres Mitglied der Familie von Schoko gefunden, möglicherweise haben sie dort an ihrem Standort einen anderen Unterschlupf gefunden. Schoko hat nachts schon ordentlich geknabbert, die Inspektion ihres Domizils ergibt, dass sie Apfel mag, aber ohne die Schale, und dass sie das meiste zumindest mal angetestet hat (Champignons, Gurke, Brei, Marone, Nüsse), sie trinkt perfekt aus dem Napf, möchte zum Frühstück auch nur einen ml Fox Valley und ansonsten ein wenig herumtingeln. Jedes Geräusch und jede Bewegung ihrer Gastgeber werden genau beäugt, aber sie lösen keine Panikflucht mehr aus. Sie zeigt nach wie vor keine Zeichen einer Infektion oder von Parasiten, ihr Stuhl ist typisch für Hörnchen, klein dunkel und geformt, etwas feucht, allerdings hat sie gestern und heute auch schon einiges an Flüssigkeit zu sich genommen. Pipi machen will sie nicht, als wir sie in den Kobel zurücksetzen, verwöhnt sie uns, dabei mit allen Vieren am Laufstalleingang hängend, mit einem kräftigen Strahl durchs Gittergewebe. Mittlerweile gibts ja auch wieder Klopapier im Supermarkt, aufwischen ist kein Problem, und letzten Endes einfacher als Wäsche waschen. Wir finden es erstaunlich, dass sie sofort interessiert zum Eingang ihres Laufstalls kommt, wenn sich jemand nähert, und nicht sich panisch versteckt. Die Vergesellschaftung mit den Jungs ist mal so locker für morgen, Sonntag, angedacht, sofern nicht heute noch weitere Geschwister von Schoko eintreffen.
Die Jungs sind Lebensfreude pur, die Sonne scheint zum Fenster herein, sie spielen miteinander, toben, ihre Sprünge werden immer weiter und sicherer, sie können sich auch bei einer nicht ganz glücklichen Landung im Klimmzug halten und hochziehen; sie vertrauen uns, beziehen uns in ihr Spiel ein, wir haben mittlerweile schon Rituale, und sie geben uns unbeschreiblich viel. Kaum zu glauben, dass sie in wenigen Wochen im Wildwald schon im Außengehege uns nicht mehr kennen werden und vor allem, dass sie dann als Einzelgänger unterwegs sind, wo sie sich jetzt so partnerbezogen und liebevoll verhalten.
Ole und
                    Bob 2020
Ole und
                    Bob 2020
Ole und
                    Bob 2020


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Schoko
                    2020
Schoko
                    2020
Schoko
                    2020


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Kurzes update: die zweite Fütterung für Schoko ist ein Durchbruch, sie ist sehr entspannt, nimmt 2 1/2 ml Milch und klettert auf uns herum, interessiert sich, ist nicht scheu, reagiert auf Geräusche und Bewegungen aufmerksam, aber nicht ängstlich. Auf den Fotos sieht man ansatzweise ihre Fellfärbung: schwarze Püschel, mokkabraunes Fell mit tollen Grauschattierungen - sie ist bildhübsch und hat uns scheinbar jetzt als harmlos erkannt.
Und noch mehr gute Neuigkeiten: eben sind zwei Neuzugänge eingetroffen, zwei kleine Mädels aus Dortmund mit blutigen Nasen, deutlich jünger als unsere anderen Mitbewohner. Sie bleiben im Moment erst einmal in unserer großen Transportbox, bis Schoko ins Wohnzimmer kann zu den Jungs. Damit sind wir erst einmal ausgelastet, mehr geben unsere Möglichkeiten nicht her, schauen wir mal, wie sich die nächsten Tage entwickeln. Die noch Namenlosen sind heute schon eingehend von einer Fachfrau untersucht und für gesund befunden worden und haben auch schon eine Kleinigkeit zu sich genommen, wir werden sie am Nachmittag eingehender begrüßen, sie sollen erst einmal zur Ruhe kommen.
Nachmittags schauen wir uns die beiden Pimpfe an - 2 Sturzopfer, 115 und 119 g schwer(!), eine trinkt aus der Spritze, eine nicht, beide mit sehr rötlicher Fellfärbung, keine Verletzungen oder Krankheiten zu erkennen, beide noch sehr verstört, das braucht Geduld...aber die haben wir ja.
Schoko hat uns in den letzen Stunden einfach umgehauen: sie ist völlig ausgewechselt, ist voller Tatendrang, hat keinerlei Angst mehr vor uns, will bespielt werden, lässt sich knuddeln und reagiert sofort, wenn wir in die Nähe ihres Laufstalls kommen. Die Wiegung ergibt 115 g, genau so viel oder wenig wie die beiden Neuen, die entwicklungsmäßig weit hinter ihr zurück sind! Ihre oberen Schneidezähne erregen unsere Aufmerksamkeit, da ist irgendwas im Busch, sie wachsen nicht symmetrisch, da müssen wir noch genauer nachschauen, am besten abends, wenn sie müde ist.
Morgen versuchen wir die Vergesellschaftung mit Ole und Bob, Schoko braucht dringend Platz und Herausforderungen, sie ist kein Päppelnotfall mehr sondern ein heranwachsendes Hörnchen, das auf die Auswilderung vorbereitet sein möchte. In solch einem Tempo haben wir das auch noch nicht erlebt. Hoffentlich nehmen die Buben sie an...
Und noch eines ist auch schon jetzt klar: das wird ein tränenreicher Abschied, da brauchts wenigstens eine Magnum Rotwein abends.
Also dieser Samstag ist mal ganz anders gelaufen als gedacht, so viel steht fest!
Wir bieten den beiden Neuen, die ab sofort Hanni und Nanni heißen, alle 2 Stunden etwas an, weil Nanni ziemlich apathisch wirkt bei unseren Fütterungsbemühungen. Am abend nimmt sie tatsächlich endlich ein paar Tropfen Milch und Elektrolyte, uns fällt aber eine Stelle an ihrem Bauch auf, die wir uns morgen noch einmal genauer ansehen möchten, im Moment wehrt sie sich aber zu sehr. Etwas lebendes ist das nicht, wahrscheinlich eher eine Dreckkruste. Ole wiegt übrigens 230 g, Bob wie gewohnt 20 g mehr, sie sind noch lange nicht ausgewachsen, schaun wir mal was noch so geht.
In der Nacht gibts noch eine Fütterung für Nanni, die Milch bisher beharrlich ablehnt, leider ändert sich daran wenig. Sie trinkt aber immerhin Elektrolyte und einen halben ml Milch und wirkt nicht mehr so lethargisch, auch da gehts aufwärts; ihre Schwester langt ordentlich zu bei jeder Mahlzeit und sucht dann, mit dem Bauch über dem Boden schleifend, einen kuscheligen Unterschlupf. Die beiden wohnen weiterhin in der großen Transportbox, das reicht für die nächsten Tage.

05.04.2020
Für Schoko gehts nach dem Frühstück runter zu den Jungs ins Wohnzimmer, die noch schlafen oder sich im Kobel vergnügen. Als sie schließlich merken, dass irgendwas anders ist als die letzten 3 Wochen, geht auch schon die Post ab - alle Bedenken, die wir hatten, lösen sich in Luft auf. Junge Eichhörnchen sind tolerant und sozial, Schoko ist sofort mittendrin, es wird gemeinsam getobt, die Kleine zeigt den Jungs mal neue Wege, sie hat sofort das Kletterseil begriffen, erklimmt ohne Zögern die höchsten Punkte, erkennt die schnellsten Wege und macht bei jedem Unsinn mit. Beim spielerischen Rangeln hat sie natürlich wenig Chancen, die Knaben kämpfen in einer ganz anderen Gewichtsklasse, aber Schoko ist viel wendiger und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Nach einer Stunde ist schlagartig Pause als hätte jemand den Stecker rausgezogen, das Geräusch des Nussknackers hat Schoko erschreckt, sie tanzt einen perfekten Tschuk-Tschuk-Tanz mit Schwanzwackeln und Knackgeräuschen und die Jungs verharren schockstarr. Alle ziehen sich zurück und ruhen ein wenig, und eine halbe Stunde später gehts wieder weiter. Natürlich beobachten wir die Situation, wir wollen Schoko nicht überfordern, aber bisher läuft es besser als erwartet!
Auch Nanni lässt uns optimistisch nach vorne schauen, bei der 9 Uhr-Fütterung nimmt sie neben Elektrolyten auch mehr als 2 ml Milch, das wird...ihr Pipi ist noch quittegelb trotz der regelmäßigen Wassergabe, aber auch da sind wir geduldig. Ihre Schwester schläft und trinkt und pinkelt und schläft und trinkt...
Unsere Raumsituation hat sich etwas entzerrt, der Laufstall ist frei und steht in einigen Tagen den Kleinen zur Verfügung, bis die vielleicht auch ins Wohnzimmer können.
Ole, Bob und Schoko 2020
Schoko
                    2020
Ole, Bob und Schoko 2020


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Nachmittags können wir für Nanni Entwarnung geben, sie hat sich dreingefunden und trinkt und pinkelt gut, die beiden Schwestern klammern sich ganz extrem an allem fest, was sie vor die Krallen bekommen, ansonsten brauchen sie jetzt einfach Zeit.
Schoko scheint im Wohnzimmer nicht ganz so glücklich zu sein, vielleicht war es doch etwas viel auf einmal, sie fremdelt ein wenig und bleibt weitestgehend allein - wir beobachten und hoffen auf die Zeit. Die Sonne scheint heftig ins Wohnzimmer, lüften können wir, wenn die Rabauken wach sind, aus nahe liegenden Gründen nicht, es ist schon mächtig warm, das fördert vielleicht eine allgemeine Trägheit.
Der Tag geht ruhig zu Ende, alle sind jetzt einigermaßen in der Spur, Schoko genießt noch ein wenig Hörnchenwellness in Form von Streicheleinheiten, wir sind gespannt auf morgen.

06.04.2020
Keine Nachtaktion, Morgenfütterung für Hanni und Nanni unspektakulär, die Großen pennen noch, die brauchen aber auch im Zweifel keine direkte Fütterung mehr, wir stellen ihnen gleich mal etwas hin. Heute und morgen können wir uns nicht so intensiv um unsere Gäste kümmern, aber akuten Bedarf gibt es auch nicht, sie müssen alle hauptsächlich wachsen und lernen...
Warum sie allerdings ausgerechnet heute den Weg auf die Möbel finden müssen, weiß auch keiner so ganz genau, da waren blöderweise noch einige Sachen, die wir ihnen nicht überlassen wollten...also schnell ins Wohnzimmer und den größten Schaden verhindern, doofes timing. Die Jungs haben einen Mordsspaß, für die ist das ein aufregendes Spiel.
Schoko ist heute morgen mit den Jungs auf Achse, später zieht sie sich wieder zurück, es fehlt ein wenig die Kondition, die Jungs sind voller Energie, da kann sie noch nicht mit. Und die Jungs raufen viel und messen sich, das ist nichts für die Kleine. Insgesamt ein herrlicher sonniger Tag heute, im Wohnzimmer schon ein wenig zu warm.
Hanni und Nanni schlafen, die nächsten Tage sind sie noch pflegeleicht, dann wollen wir sie fordern.
Nanni 2020
Hanni und Nanni 2020
Hanni 2020


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07.04.2020
Morgens läuft alles wie gehabt, Hanni und Nanni krabbeln schon ein wenig umher, sehr ungelenk noch, eher wie Warane, aber der Bauch rutscht nicht mehr über dem Boden. Schoko bleibt nach wie vor lieber allein, die Jungs geben alles, brauchen keine Pause und kennen keine Grenzen. Oles Fingerbeißerei wird so langsam nervig, er ist da leider immer über dem erträglichen Level, Bob bekommt das viel besser hin. Bob sucht auch gelegentlich mal ein wenig Ruhe, kuschelt sich an oder lässt sich ein bissschen kraulen, aber Ole geht sofort dazwischen und piesackt Bob, bis dieser wieder mittobt. Wir zweifeln immer mehr, ob wir sie noch 4 Wochen hier halten können, vielleicht müssen wir auch die Jungs zuerst in den Wildwald bringen und Schoko später, vielleicht zusammen mit den beiden Kleinen. Gestern haben wir noch einmal eine Melone aus Costa Rica gekauft, dieses Mal eine Wassermelone, die war für Krümel & Co im letzten Jahr ein tolles Highlight, bei den Zimmertemperaturen erfrischt sie bestimmt. Der Tag endet ruhig mit einem Nachtmahl für alle fünf, die schüchterne Schoko nimmt Milch aus der Spritze, aber nur aus sicherer Entfernung.

08.04.2020
Der Start in den Tag ist entspannt, es verspricht, ein sehr schöner warmer Frühlingstag zu werden, 24 Grad sind angesagt. Die Mädels und Buams sind relaxed, bei Nanni entdecken wir, dass die oberen Schneidezähne durch sind. Die beiden kleinen Dortmunder Mädels sind nach wie vor auf ihren Kobel fixiert, wir haben noch nie Hörnchen gesehen, die nach der Fütterung selbständig sofort ihr Schlafdomizil aufsuchen und allenfalls dort noch einige Minuten spielen. Wir geben ihnen alle Zeit der Welt, solange sie so sind, können wir sie unter unseren räumlichen Bedingungen auch gut händeln. Und leider sehen wir bei Schoko, was wir anrichten, wenn wir sie zu früh selbständig werden lassen, sie hat fast jeden Bezug zu uns verloren, obwohl der vor ihrer Umquartierung ins Wohnzimmer sehr gut war. Das ist auf der einen Seite gut, denn sie sind ja Wildtiere und sollten nicht auf Menschen geprägt sein, auf der anderen Seite schwierig, weil wir so z.B. die Stellung der Zähne nicht gut kontrollieren können. Wir wollen sie nicht in unsere Hand zwingen und können uns teilweise mit dem Riesenteleobjektiv behelfen, denn die Auflösung der Fotos ist so wahnsinnig, dass man auf den Fotos die kleinste Hautpore sieht. Nach unseren Erfahrungen mit Schokos Vorgängern gehen wir davon aus, dass wir eine Vertrauensstellung nur schwer wieder herstellen können. Immerhin setzte sie sich gestern Abend mal auf die Schulter für einen kurzen Moment, das war schon ein Highlight, die Spritze mussten wir ihr aber zum Kletterbaum bringen, Lieferservice sozusagen. Und dabei ist sie so ein bildhübsches Eichkätzchen.
Hanni und Nanni machen weiter Fortschritte: sie haben jetzt einige Wachzeiten, verschwinden nicht sofort wieder unter ihren Schlaftüchern, sondern erkunden neugierig ihre Umgebung. Sie sind jetzt mit Körperspannung unterwegs, die Fortbewegung erinnert nicht mehr an einen Waran, sondern eindeutig an Eichhörnchen, sie gehen nicht mehr nur sondern hüpfen zwischendurch auch gern mal. Wir siedeln sie um in den Laufstall, damit sie ein wenig mehr Platz haben, fürs Wohnzimmer ist es noch viel zu früh, vielleicht Ende nächster Woche. Im Laufstall besetzen sie das Tipi als Schlafkobel und turnen an den Seitenwänden herum. Ansonsten entwickeln sie sich prächtig und sie sind bildhüsch.

09.04.2020
Eine Frühfütterung gibts ja nur noch für Hanni und Nanni, sie trinken gern und schauen sich anschließend noch ein wenig um, der typische Hörnchendrang nach oben ist auch schon da; Nanni lässt sich nicht gern anfassen und reagiert auf unsere Bewegungen eher ängstlich, Hanni macht das scheinbar nichts aus. Mal ist die eine mutiger, mal die andere, sie sind offenbar froh, sich gegenseitig zu haben, und so soll es sein.
Im Wohnzimmer regiert das normale Grauen: 2 tobende Buben und ein ängstliches Mädel, das aber immerhin noch Milch aus der Spritze nimmt, wenn man sie ihr da präsentiert, wo sie sich gerade versteckt. Hinterher lässt sie sich auch noch ein wenig kraulen. Ihre Scheu hat aber wohl ausschließlich mit uns zu tun, wenn wir uns dem Durchgang vorsichtig nähern, hopst sie auch im Wohnzimmer mit den Jungs herum, und sie schläft auch gemeinsam mit ihnen im Kobel.
Nanni 2020
Ole und
                    Bob 2020
Schoko
                    2020


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Wenn wir Maronen ins Wohnzimmer mitnehmen, werden sie uns von Ole und Bob aus der Hand gerissen, Schoko bekommt ihre in den Schlafkobel gebracht, wohin sie sich sofort zurückgezogen hat - sie nimmt sie gern und knabbert laut hörbar daran, aber sie zeigt sich nicht. Das ist natürlich schade, aber auch völlig o.K., kein Hörnchen ist wie das andere. Leider werden wir sie irgendwann mal packen müssen, wir hatten ja ungleich lange untere Schneidezähne bei ihr bemerkt, das muss sicher noch kontrolliert werden, solange sie allerdings die Marone lautstark von ihrer Schale befreit, wird der Schaden wohl hoffentlich nicht ganz so groß sein.
Apropos ungleiche Schneidezähne: auch bei Nanni ist da vielleicht was nicht ganz in Ordnung, es ist zwar noch früh, aber das dürfen wir auch nicht aus dem Auge verlieren. Die beiden dehnen ihre Wachzeiten auch langsam aus, Fütterung und Ausscheidungen sind perfekt, ihre Motorik wird immer besser, kratzen mit der Hinterpfote klappt ohne Umfaller, klettern und hangeln können sie auch, der Schwanz liegt im vorbildlichen "S" auf dem Rücken, feste Nahrung interessiert kaum, muss es aber auch noch nicht. Nanni sucht sich schon mal einen eigenen Schlafplatz, meistens unter irgendwas (dem Tipi, einer flauschigen Schlaftasche).

10.04.2020

11.04.2020
Auch am Ostersamstag scheint die Sonne früh herein, mit Sonnenaufgang werden die drei Großen aktiv und beginnen ihr Kletterwerk, Schoko traut sich nach und nach etwas näher heran an uns...immerhin. Während die Buben auf uns herumtoben und wilde Jagd spielen, schaut sie sich aus ungefähr einem Meter Entfernung das Treiben an. In ihrem Kopf scheint es zu arbeiten, auf der einen Seite ist sie neugierig und hat Lust, ihnen nachzueifern, auf der anderen Seite ist die Scheu zu groß. Wir lassen nicht locker..
Hanni und Nanni wachsen und gedeihen, sie werden größer, aber an ihrem Verhalten ändert sich wenig, sie sind sehr schreckhaft, jedes Geräusch versetzt sie in Panik. Sie kommen nicht freiwillig aus dem Kobel, Nanni bleibt fast immer am Boden, Hanni klettert gern auf uns herum, auch bis auf die Schultern. Nanni sucht sofort Deckung, aber fast nur an ihrem "Spritzengeber" (sie könnte sich ja auch eine dunkle Ecke im Bad suchen), z.B. unter dem Bein, und wenn wir sie aufnehmen wollen, sucht sie ihr Heil in der Flucht. Im Laufstall haben wir einige feuchte Stellen gefunden, könnte sein, dass sie mittlerweile schon selbständig Pipi machen können, anderes Futter als Milch interessiert sie nur am Rande, im Tipi haben wir schon mal Walnusskrümel gefunden, aber nur einige wenige, Obst und Gemüse geht noch gar nicht. Aber sie sind zuckersüß, eine schöne fuchsrote Färbung, ums Maul eine weiße Umrandung, der Bauch schneeweiß. Wir gehen weiterhin behutsam mit ihnen um, sie haben noch Zeit.
Nanni
                        2020
Hanni
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Schoko
                        2020
Bob 2020
Ole 2020
Bob 2020


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Bei der nächsten Fütterung schauen wir uns Nannis Zähne an und beschließen, sie von einer Fachfrau begutachten zu lassen. Das Ergebnis ist ernüchternd: die Schneidezähne sind ungleich lang und sie wachsen schief. Es kann sein, dass sich das im Laufe der Zeit gibt, muss es aber nicht. Und Hannis obere Schneidezähne sollten auch schon deutlich draußen sein, sind sie aber auch nicht, das könnte auch Unheil bedeuten. Besser für die beiden, wenn sie jetzt an eine Person weitergegeben werden, die die Möglichkeit hat, sie in Zukunft in einem geräumigen Außengehege zu halten, und besser jetzt sofort, damit sie, solange sie noch klein sind, Vertrauen fassen können, weil sie unter Umständen später regelmäßige Zahnfürsorge brauchen. Kurz und gut, die beiden werden heute Nachmittag abgeholt, im Gegenzug kommt dafür ein anderes Hörnchen zu uns. Falls sie dann wegen der Zahnprobleme tatsächlich nicht ausgewildert werden können, können sie dort bleiben. So weit so richtig - wir sind trotzdem traurig, natürlich sind sie uns ans Herz gewachsen.
Der Neuzugang ist ein kleines Eichkätzchen aus Dortmund, völlig entkräftet, wohl mangelernährt, das Alter ist daher schwer zu schätzen. Die unteren Schneidezähne sind da, die oberen noch nicht, beim gehen hat sie Körperspannung, der Bauch hängt nicht durch, aber der Schwanz ist noch ganz zusammen. Sie wurde am Straßenrand gefunden, sie kam den Bordstein nicht hoch und sprang dann ihrer Finderin quasi auf die Hand. Eine blutige Nase hat sie und den einen oder anderen Floh.
Da sie sucht, bieten wir ihr eine Spritze mit Wasser und Elektrolyten an, und sie nimmt sofort den Sauger an und trinkt einen ml. Anschließend fällt sie schmatzend über ein Stück Wassermelone her, auch nicht schlecht, einen Apfelschnitz nagt sie auch noch an. Sie ist entwicklungsmäßig viel weiter, als man ihr ansieht, sie hat vielleicht 45 g Körpergewicht, der Körper ist ungefähr 5 cm lang, aber sie befasst sich nicht lange mit Scheu oder Angst, sondern langt ordentlich zu. Anschließend rollt sie sich in der Hand, die sie beherbergt, zusammen, legt den Schwanz über den Kopf und schließt die Augen. Sie darf erst einmal schlafen, wir legen uns einen Schlachtplan für die nächsten Stunden zurecht - da sie offenbar Mangel gelitten hat, wollen wir ihr nicht sofort das komplette AI-Angebot zukommen lassen, sondern sie langsam an Vollkost gewöhnen. Eine Nachtschicht droht uns wohl auch mal wieder, aber jetzt an den Feiertagen ist das kein Problem und um 6 Uhr wartet niemand aufs Frühstück. Perspektivisch haben wir natürlich ein kleines Problem: unser namenloser Neuzugang ist deutlich hinter den verbleibenden Ole, Bob und Schoko zurück, der ursprüngliche vage Plan, Schoko mit Hanni und Nanni auszuwildern, hat sich erledigt, d.h. Schoko geht jetzt mit den Jungs, aber dann ist die ganz Kleine allein...und das wäre nicht gut. Vielleicht findet sich noch ein Gesellschaftshörnchen in ihrem Alter. Oder holt sie so schnell die körperlichen Rückstände auf, dass sie noch mit den Großen rauskommt? Die Zeit wirds zeigen.
Die Lage für Mel, so haben wir sie getauft, weil sie so gern Wassermelone frisst, ändert sich abends grundlegend: Päppi findet zu uns. Päppi ist ein Eichkater, ungefähr 4 1/2 Wochen alt, wurde in Fröndenberg gefunden, wo wir ihn abholen, seinen Namen hat er von der tierlieben Finderin. Päppi ist gut genährt, sicher in seiner Entwicklung normal unterwegs aber körperlich eine andere Gewichtsklasse als Mel. Auf der Rückfahrt im Auto pfeift er uns ordentlich was, er sucht seine Mutter. Daheim angekommen schauen wir ihn uns an: die Schneidezähne unten sind da und stehen gut, er hat keine sichtbaren Verletzungen, keine Parasiten, Anus sauber, riecht wie ein Hörnchen riechen muss, motorisch ist er gut unterwegs. Er nimmt Elektrolyte, dabei belassen wir es, 90 Minuten später gibts noch eine Nachtfütterung, da nimmt er dann noch einmal Elos und einen Viertel ml Fox Valley, Pipi ist wenig und dunkelgelb. Er mosert ein wenig, wie wir das schon von anderen Eichkatern kennen (unvergessen: Cortano), aber er bleibt einigermaßen ruhig und lässt sich anschließend wieder in seine Tragebox - sein Domizil für die nächsten 48 Stunden - legen. Mel Nimmt zur nacht erst 1 ml Elos, dann 1/2 ml Fox Valley, dann noch mal 1 ml Elos, pieselt gut (Geruch und Farbe unauffällig), interessiert sich und geht dann schnell in Parkposition. Wir legen sie in ihre Transportbox und müssen dann nachts noch einmal ran, die beiden sind klein, 7 Stunden über Nacht ohne Nahrung wollen wir ihnen nicht zumuten. Außerdem festigt es Rituale.

12.04.2020
Anhand der Textwüste oben kann man gut sehen, dass es ein ereignisreicher Tag war, geplant war davon das wenigste...egal, die Hörnchen zahlen es tausendfach zurück. Die Gedanken an Hanni und Nanni sind etwas in den Hintergund getreten, wir haben aber schon erfahren, dass sie ihre erste Milch an ihrem neuen Wohnort bekommen haben und gut zurecht sind.
Das Frühstück mit Mel und Päppi, natürlich einzeln nacheinander, läuft gut. Mel bekommt wieder ihre Dreierkombi (Elos, Milch, Elos), dieses Mal 1 ml Fox Valley, sie bedankt sich mit einem Pipisee auf dem Ärmel ihres Gastvaters (wie auch immer sie das gemacht hat, auf einmal war der See da und roch eindeutig...); sie interessiert sich für ihre Umgebung, geht umher, insgesamt noch ein wenig unrund, vielleicht ist das aber auch nur Vorsicht. Flöhe haben wir bis auf den einen von der Erstuntersuchung nicht mehr gesehen, keine Anzeichen für Durchfall, wir sind vorsichtig optimistisch. Sie ist schon arg klein, vor allem wenn man Päppi direkt danach auf der Hand hat. Er ist ein kerniger Bursche, während Mel frühstückt, meckert er die ganz Zeit in seinem Kobel herum, Milch ist noch nicht so sein Favorit, Elos nimmt er aus der Spritze nachdem er überredet wurde. Er krabbelt auch umher, Melone mag er überhaupt nicht. Mit den Miracle Nipples geht die Gewöhnung an die Spritze einfacher als ohne oder mit herkömmlichen Saugern, die Kleinen begreifen sofort, was das ist und an dem großen Rand können sie den Sauger gut festhalten.
Mel 2020
Päppi 2020
Mel 2020


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Bei den Großen wird es zusehends schwieriger, aus dem Wohnzimmer zu kommen. Wir bringen ihnen morgens frisches Futter und eine Schale mit Milch, und jedes Mal, wenn wir stehen, halten sie das für ein tolles Spiel und toben auf uns herum. Als wir dann endlich, mit List und Leckerlis, das Wohnzimmer verlassen können, stellen wir fest, das wir das Milchglas und vor allem die teuren Miracle Nipples stehen gelassen haben - also wieder rein, auf die nächste Fluchtgelegenheit warten, solch ein Sauger kostet mal locker fast 5,- € und auch die Milch wollten wir nicht einfach vergammeln lassen.
Die Mittagsfütterung bei den Kleinen ergibt folgendes amtliche Wiegeergebnis: Mel 71 g, Päppi 115 g, beide scheinen sich an das Fütterungs- und Pipiritual gewöhnt zu haben, bei Päppi gehts natürlich nur mit Gemecker. Mel knabbert in ihrer Transportbox noch an einem Stück Walnuss herum, putzt und rollt sich dann ein, Päppi sucht sich einen leicht erhöhten Aussichtspunkt auf dem Oberschenkel seiner Wirtin und lässt gern den Bauch kraulen. Bevor die Augen endgültig zufallen, gehts zurück in die Box (natürlich mit Gemecker), und dann herrscht dort auch Ruhe. Päppi hat uns schon mit zwei Kötteln beschenkt, beide klassisch wie man sie kennt, sein Urin ist nicht mehr dunkelgelb. Mel riecht ein wenig säuerlich, als ob sie Durchfall hätte (sie ist aber sauber, keine Flecken in den Tüchern), sie hat noch nicht geköttelt (oder wir habens noch nicht gefunden), Urinstimulation klappt. Prognose für Päppi: prima, für Mel: schaun wir mal, das braucht Geduld.
Im weiteren Tagesverlauf verfestigt sich für uns die Gewißheit, dass Mel ein besonderes Sorgenmädchen ist, die guten Ansätze beim Füttern lassen schnell wieder nach, abends trinkt sie gerade mal einen ml mit Mühe und Not. Wir werden uns doch nicht wieder in einen hoffnungslosen Fall verliebt haben? Der klassische Ansatz mit päppeln und auswildern wird wohl so nicht funktionieren, offensichtlich hat sie schon zu viel Mangel erlebt. Es ist jetzt noch zu früh, wir geben nicht auf, aber ob ihr Körper jemals einen Zustand erreicht, in dem sie sich selbst versorgen kann...?
Päppi ist das genaue Gegenteil, er nimmt Milch, viel Milch, und ist ansonsten hauptsächlich träge - das ist auch in Ordnung so, schließlich ist er ja erst am späten Samstag zu uns gekommen, erst mal ein paar Rerserven aufbauen, dann die Welt entdecken, das ist ein gutes Motto. Und er macht sich immer bemerkbar, ist ungehalten, wenn er in seiner Tragebox hockt und aufs Essen wartet oder wenn er Pinkeln soll, ein kleiner Grantler halt.
Die Großen sind im Wohnzimmer für jeden Schabernack gut, Bob springt mittlerweile aus dem Stand 1,50 m und landet auf einer Kunststofffläche von 20 x 30 cm sicher, ein Talent, das er im Lüerwald nicht brauchen wird, aber trotzdem ein Beweis für seine Entwicklung. Ole kommt nicht ganz hinterher, aber viel fehlt nicht; vor den beiden ist nichts mehr sicher, jede Gelegenheit wird genutzt, um über die Bande zu hopsen, und wenn man dazu seiner Gastmutter mal eben ins Gesicht springt. Als sie mit einem der Degus bei der Tierärztin aufläuft, schaut diese ihr ins Gesicht und sagt: "Ah, haben Sie wieder Hörnchen?"
Die kleine Schoko möcht uns ihr Vertrauen nicht schenken, sowie wir in der Nähe sind, verzieht sie sich auf den Kletterbaum; schwierig, das hatten wir so noch nicht, bevor wir sie zu den Jungs gesetzt hatten, war sie voll auf uns fixiert, kam freiwillig, hat mit und auf uns herumgeturnt, einen konkreten Auslöser für den Vertrauensverlust sehen wir nicht. Mit den Buben tollt sie herum, die drei kommen miteinander aus, schlafen auch im selben Kobel aneinandergeschmiegt, aber während Ole und Bob kein Problem mit uns haben, will Schoko lieber nichts mit uns zu tun haben. Wir beobachten sie und schauen, ob es Handlungsbedarf gibt, bisher deutet aber nichts darauf hin.

13.04.2020
Mel begrüßt uns zur Frühfütterung um 6 Uhr, sie schaut keck aus ihrer Tragebox heraus und kommt uns schon entgegen, klettert sofort an ihrem Gastgeber herauf. Toll. Heute morgen überlisten wir sie ein wenig - sie hat bei den letzten beiden Fütterungen jeweils nur einen ml Milch genommen, beim Nachladen der Spritze macht sie sich aus dem Staub. Heute nehmen wir eine 2 ml-Spritze, da hat sie immerhin schon mal die doppelte Menge zu sich genommen, bevor sie das Mahl für beendet erklärt. Über Nacht hat sie auch 2 mickrige Köttel produziert, schwarz und hart, wie Hörnchenköttel nun mal sein sollten.Päppi hingegen hat schon einige Köttel mehr in seinem Kobel liegen, klar, er hat auch einige Kannen Milch mehr zu sich genommen im Verlauf des gestrigen Tages. Beide haben über Nacht auch an den Walnussstückchen herumgeraspelt, die in der Tragebox lagen, an Mels sieht man ein paar zaghafte Zahnspuren, Päppis liegt in Krümeln zwischen den Tüchern. Eigentlich wollten wir sie heute Morgen miteinander bekannt machen, kleine Hörnchen brauchen Gesellschaft und wir sind einigermaßen sicher, dass beide nichts Ansteckendes haben, aber Päppi ist noch zu müde und Mel krabbelt sofort in die Kapuze Ihres Gastgebers, wo sie jetzt auch noch sitzt. Sie bekommt jetzt "Betüddelung" 2 Punkt Null bis zur nächsten Fütterung, dann starten wir noch einen Versuch mit Päppi, vielleicht kann der ihr seine Überlebensstrategie erklären. In der Kapuze hat schon das eine oder andere Hörnchen gelegen, immer die mit besonderem Nähebedarf, dort wurde schon geschlafen, gemampft, keck herausgeschaut und der begehrte Aussichtsplatz auf der Schulter ist auch nicht weit. Schaun wir mal. Wahrscheinlich ist Mel gerade grün im Gesicht von der Schaukelei... :-)
Mel 2020
Mel 2020
Mel 2020


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Auf den Fotos haben wir zwei Mal Mel, inder Mitte ist Pinkel-Päppi, von den anderen gibts im Laufe des Tages neue Bilder. Ein weiteres Video ist auch in Vorbereitung.
Kurzes update am Nachmittag: Mel hat die Schaukelei gut überstanden, so recht will sie gar nicht heraus. Wir können darauf aber keine Rücksicht nehmen, denn wir wollen ja Mel und Päppi zusammenbringen...und das geht so: wir füttern Mel, und während sie sich noch umschaut, holen wir Päppi aus der Tragebox und füttern ihn. Nachdem der Bub satt ist, setzen wir die beiden zusammen in die Mitte zwischen uns, Mel schleckt Päppi das Ohr und zieht sich dann zurück in ihre Kemenate. Päppi schaut noch ein wenig unschlüssig, tapert auf seine Box zu, überlegt es sich dann aber anders und krabbelt zu Mel. Er schleckt sie ab und versucht dann, sich unter sie zu wühlen, die beiden rollen sich zusammen und bald ist Ruhe bei Hörnchens. So bleibt es auch bis zur nächsten Fütterung, fortan brauchen wir nur noch eine Box. Ob Mel jetzt tatsächlich seuchenfrei ist, wird sich zeigen. Wenn die Vergesellschaftung doch bei unseren Degus genau so einfach ginge, dort sind die Drillinge leider seit dem Tod des Papas vor einem halben Jahr getrennt, weil sie sich nicht über den Rudelchefnachfolger einigen konnten.
Aus dem Wohnzimmer gibts nicht ganz so tolle Neuigkeiten: dort finden wir einige weiche, übelriechende Köttel, vermutlich von Schoko. Richtiger Dünnpfiff ist es noch nicht, aber auch nicht weit davon entfernt. Wir verbannen die Frischebuffets aus dem Zimmer, jetzt rächt es sich natürlich, dass wir die Kleine nicht zu fassen bekommen. Mal schauen, wie sich das entwickelt, wir versuchen mal das eine oder andere.
Ole 2020
Schoko 2020
Ole und Bob 2020


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Der Tag verläuft weiter ruhig, Mel und Päppi tun sich offenbar gegenseitig gut, sie schlafen bis zur Fütterung, wir müssen sie wecken, während sie vorher schon auf Geräusche reagierten. Mel trinkt prima und strunzelt vorbildlich in hohem Bogen auf das Papiertuch, Päppi macht da weiter, wo er als Einzelhörnchen aufgehört hat. Er sucht Mel aber sofort in der Tragebox nach der Milchschlacht und kuschelt sich an. Mels "saurer" Geruch hat sich verflüchtigt, beide kötteln viel und unverdächtig, unsere ersten Zweifel haben sich erst einmal gelegt. Im Wohnzimmer hat sich nichts verschlechtert, die Jungs toben nach Eichkatermanier, Schoko macht mit, wenn wir nicht in der Nähe sind, alle sind lebhaft, gegen Abend zieht man sich hörnchentypisch in die unmittelbare Nähe der Schlafplätze zurück, egal was sonst noch passiert. Die tägliche Säuberungsaktion wird nur noch zur Kenntnis genommen, dass wir ihr Futter verstecken und auch kein Nußbuffet mehr anbieten, bekommen die drei schon gar nicht mehr mit.

14.04.2020
Eine tolle Frühfütterung im Badezimmer, Mel kommt entspannt und gut gelaunt aus der Umklammerung von Päppi, trinkt ein wenig und erkundet erst einmal ausgiebig das Badezimmer. Anschließend nimmt sie noch einen ordentlichen Nachschlag, sie hat schon ein kleines Pölsterchen auf der Hüfte und turnt auf ihrem Herbergsvater herum, gibt dort das Nackenhörnchen, untersucht das Ohr ganz genau und findet zielsicher die Kapuze. Päppi trinkt, pinkelt widerstrebend, meckert nicht mehr so viel, zieht sich aber bald zurück ins Schlafgemach. Als er merkt, dass Mel nicht da ist, kommt er noch einmal heraus, wir führen ihm die Kleine zu, denn heute ist ja ein normaler Arbeitstag und die beiden begeben sich in die Parkposition. Klasse Start in den Tag, es scheint alles in den erhofften Wegen zu laufen.
Die drei Großen treiben Frühsport, sowie sich jemand dem Durchgang nähert, kommen Ole und Bob sofort angestürmt in der Hoffnung auf ein Spielchen, uns fällt es schwer, die enttäuschten Blicke auszuhalten. Allerdings bedeutet jede Runde Toben mit den beiden neue Kratzer an den Händen, und die Krallen gehen auch mal gern durch die Hosen, und sie finden immer wieder auch mal den Weg unter die Jacke. Die Köttellage hat sich nicht verschlechtert, Dünnpfiffflecken sind nirgendwo zu sehen, vielleicht war es doch nur eine zeitweise Ernährungsirritation.
Auch Stunden später ist alles entspannt, Mel und Päppi machen Spaß; ab mittags geht Mel nicht mehr auf Erkundung, Päppi schläft bei der gründlichen Reinigung mit einem Wattepad ein und wacht komplett sauber auf. Von den beiden hört man keinen Mucks. Die Großen unten tummeln sich, Schoko ist immer so lange mitten im Geschehen, wie wir nicht in der Nähe sind. Sie ist zwar deutlich kleiner als ihre Mitbewohner, aber auch deutlich leichtfüßiger, wenn sie durchs Zimmer stürmt, hört man kaum einen Laut, sie huscht den Kratz- und auch den Kletterbaum hoch, scheinbar ohne ihre Füße aufzusetzen. Zusammen mit ihrem dunklen Fell könnte das ein Pluspunkt draußen im Wald sein, denn Hörnchen sind letzten Endes Fluchttiere. Und ihr Mißtrauen und ihre Wachsamkeit machen sie auch eher stärker.
Abends überraschen uns Ole und Bob mit einer völlig außergewöhnlichen Aktion: gegen 22.30 Uhr kommen sie vom Kletterbaum herunter, wo sie zusammen mit Schoko liegen, und besuchen uns. Das haben wir bei all den Hörnchen in den letzen zwei Jahren noch nicht erlebt, Hörnchen werden ruhiger und engen ihren eigenen Radius mit zunehmender Tageszeit selbst ein und bewegen sich nicht mehr vom Kobel weg, je später es ist desto näher bleiben sie an ihrem Schlafplatz. Und nun diese Aktion, zunächst besucht uns Bob und holt sich einige Pinienkerne ab, dann Ole, begrüßt uns beide ausgiebig, knabbert ein wenig und zieht sich dann wieder zurück. Ihre Milch vor dem Schlafengehen bekommen sie noch, die hat wohl auch mehr symbolische Bedeutung, ansonsten wollen wir die Milchgabe so langsam einstellen, zum einen bekommen sie im Wildwald auch keine, zum anderen glauben wir, dass sie für die veränderten Köttel unserer Schützlinge verantwortlich sein könnte. Auch die Buffets stellen wir ein, dafür verstecken wir ihre Nüsse, frische Sachen wollen wir ihnen wieder anbieten, allerdings hauptsächlich Obst und Gemüse, das in eigener Verpackung daherkommt, also Melone, Apfel, Gurke, damit wir uns nicht doch noch irgendwelche Bakterien einschleppen, z.B. mit Chicorée oder Salat.
Mel und Päppi nehmen ihre Nachtfütterung gern an, bei Päppi blitzen schon die oberen Schneidezähne aus dem Oberkiefer, er reibt auch die Zähne ordentlich aneinander.
Mel und Päppi 2020
Mel und Päppi 2020
Bob 2020


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15.04.2020
Die beiden Kleinen sind auch wieder die ersten, denen unsere Fürsorge zuteil wird, sie stehen schon ungeduldig an der Klappe und warten darauf, dass sie sich öffnet. Mel stürmt heraus und klettert erst einmal eine Runde, kommt dann herunter und nimmt Milch, Päppi braucht ein wenig Animation und trinkt dann auch. Sein Schwanz fächert schon schön auf, er ist ein ordentlicher Brummer und wird bestimmt bald ein stattlicher Eichkater sein, er probiert jetzt seine Motorik schon mal ein wenig und macht zaghafte Kletterversuche, aber längst nicht mit dem Mut und der Dynamik von Mel. Ihr Fell sieht nicht mehr so zauselig aus wie noch am Anfang, als sie zu uns kam, sie putzt sich mit Leidenschaft, bis sie umkippt, wie alle Hörnchen macht sie solche stunts gern am Abgrund, wo sie auch tüchtig tief fallen kann...aber wir passen natürlich auf. Sie haben einen ganzen Berg geköttelt über Nacht und auch ein wenig von ihren Vorräten in der Box angeknabbert, sie entwickeln sich beide toll und zahlen jetzt schon kräftig zurück. Nachher wollen wir sie wiegen, bei Mel schauen wir auch noch nach den Zähnen. Für die Großen suchen wir nachher einen Termin für die Umsiedlung in den Wildwald.
73:127 - kein Basketballergebnis (woher auch?), sondern das aktuelle Gewicht unserer kleinen Sonnenscheine, nach Wiegung und Fütterung setzen wir sie noch in die große Tragebox um, die Päppi zuerst allein bewohnt hat, das Ding ist ungefähr 3 Mal so groß wie die andere. Mel ist gerade etwas scheu und sucht Schutz, Päppi joggt entgegen seiner Gewohnheit durchs Bad. In der kleinen Box finden wir einige kleinere feuchte Stellen, zusammen mit Mels zeitweiser Weigerung heute, das Pipiritual mitzumachen, könnte das bedeuten, dass da jemand vielleicht schon sporadisch selbständig Urin absetzen kann. Nach anfänglicher Irritation wühlt sich auch Mel unter die Tücher (es sind die aus der kleinen Box mit vertrautem Duft) in der großen Box, Päppi hinterher, Umquartierung gelungen.
Die Großen sind wieder typisch verspielt, aber eben leider auch schon ein wenig stereo, der Laufweg am Fenster entlang, den schon andere Hörnchen gern auf und ab gerannt sind, ist ihre Lieblingsstrecke. Schoko erschrickt als wir uns bewegen, schade, wir würden sie so gern einbeziehen. Sie ist irre flink, wir machen uns Gedanken, wie das bei der Umsiedlung in den Wildwald wohl klappen soll, wenn sie nicht bei den Buben übernachtet. Nachts um halb fünf die wilde Jagd durchs Wohnzimmer ist keine gute Vorstellung, hoffentlich haben wir da noch eine Eingebung, evtl. bauen wir vorher den Kletterbaum ab.
müde Mel 2020
Schoko 2020
Ole und Bob 2020


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Abends laufen die Jungs wieder zur Höchstform auf, wir waren nicht darauf vorbereitet, hatten den Vorabend als einmalig abgehakt und waren nicht entsprechend angezogen - wir müssen dringend Nachschub an Ringelblumensalbe beschaffen. Trotzdem haben wir natürlich eine Menge Spaß mit den beiden Verrückten, sie beziehen uns in ihr Spiel mit ein und wenn wir nur als "Prellwand" dienen. Auch Ole springt mittlerweile aus dem Stand 2 m weit und sofort bei der Landung gehts weiter, oftmals mit ganz schrägen Richtungswechseln. Eichhörnchen sind Bewegungswunder, sehr geschmeidig, und die Jungs entdecken das und probieren es aus.
Die Kleinen nehmen gern ihren Schlaftrunk, das Pipiritual haben sie nicht ganz so gern, sie werden eben auch älter, und ziehen sich sofort zur Nachtruhe zurück.

16.04.2020
Die Frühfütterung gibts ja nur noch für die Kleinen, sie sind gut drauf, alles läuft in den gewohnten Bahnen. Beide können ohne Probleme Wasser aus der Schale trinken, prima.
Die Köttel der Großen liegen innerhalb der Toleranz, da hat sicher niemand Durchfall, der Milchentzug scheint sich positiv auszuwirken. Das versteckte Futter finden sie auch ohne Probleme, im Moment machen Sonnenblumenkerne in der Schale Spaß, alle drei knacken die ohne Probleme, ihre Stummeldaumen an den Vorderpfoten und ihre Knabbertechnik funktionieren prima. Auch die leicht angeknackten Nüsse sind eher eine Herausforderung als ein Problem, nur "original verschlossene" Nüsse klappen noch nicht so ganz, aber sie versuchen sich dran. Der Holzkobel steht jetzt auf dem Kratzbaum ganz oben, im Moment schreddern allerdings die Jungs nur die Abschlussleisten am Dach und am Boden, da leisten sie aber ganze Arbeit. Gestern war schon mal einer der Jungs drin, nach unseren Erfahrungen werden sie bald umziehen; das Häuschen hat verschließbare Öffnungen, wir würden sie zur Auswilderung dort einsperren und mitsamt dem Haus in den Wildwald bringen, bisher hat das immer gut geklappt.
Von Hanni und Nanni haben wir Fotos und ein Video bekommen, sie sind nach wie vor zuckersüß und entwickeln sich toll.
Der Rest des Tages verläuft angenehm ruhig, einige Slapsticks beim Verlassen des Wohnzimmers mit eingeschlossen. Die Kleinen verkürzen ihre Schlafphasen und tummeln sich schon mal in der großen Tragebox, auch Mel testet jetzt ihre oberen Schneidezähne, die schon deutlich zu spüren sind. Abends bleiben Ole und Bob im Kobel, wie es sich gehört, gelegentlich schaut mal einer neugierig heraus, aber scheinbar braucht selbst der hyperaktive Ole mal eine Pause.
Am frühen Abend kommt noch eine Anfrage, ob wir ein weiteres Hörnchen aufnehmen könnten, dem Alter nach würde es zu unseren Kleinen passen, wir sagen zu, die Übergabe wird aber wohl erst morgen erfolgen.

17.04.2020
Mel kommt zur ersten Fütterung direkt aus der Box, trinkt eher wenig, klettert aber viel, schaut sich genau um, putzt sich ausgiebig, und als sie meint, dass es genug ist, krabbelt sie wieder zu Päppi in die Box; Päppi war da eher kurz und sachlich unterwegs: rausholen lassen, trinken, pinkeln, zurück unter die Decken. Der Bursche wird mal ein richtig hübscher Eichkater, schon jetzt hat er an den Flanken tolle Farbkombis im Fell. Er dürfte jetzt gern mal ein wenig aktiver werden, Muskeln und Gelenke aktivieren und die Klettergrundtechniken üben, aber er hat da sicher seinen eigenen Fahrplan.
Die Großen gewöhnen sich immer mehr an den Tagesstart bei Sonnenaufgang und daran, dass sie nicht mehr durchs Frühstücksbuffet geweckt werden. Sie sind mit Abstand die aktivsten Hörnchen, die wir bisher hatten; selbst unsere Kletterangebote im Wohnzimmer, die wir eigentlich als viel zu schwierig eingeschätzt hatten, sind für sie nur ein Klapp mit der Mütze, Fortbewegung geschieht fast nur noch durch Sprung und Flug, auch ungeplante Landungen stören sie nicht, fast immer geht es sofort weiter...toll.
Schoko 2020
Bob 2020
Schoko 2020


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Und mittags gibt es tolle Neuigkeiten: drei Neuzugänge aus Unna-Massen, 2 Mädels und 1 Bube, ihre Mutter wurde möglicherweise von einer Elster geholt, Rückführung geht also nicht, 1 Geschwister hat die Aktion leider nicht überlebt und wurde schon beerdigt, die Überlebenden hatten Glück und wurden von tierlieben Hausbewohnern entdeckt und sofort gesichert, die Rettungsstation dann verständigt. Die drei kommen zu uns, dafür kommt das eine gestern angekündigte nicht. Mit z.Zt. 8 Hörnchen sind wir auch gut besetzt, die drei können wir aber nach der üblichen Quarantäne gut mit Mel und Päppi zusammensetzen, das passt einigermaßen.
Die drei haben keine offenen Wunden, keine Maden, keinen Durchfall, so weit so gut, ein Kätzchen lahmt hinten rechts ein wenig, so richtig mag sie das Bein nicht belasten, wenn wir daran ziehen und es berühren scheint das aber keinen Schmerz auszulösen. Unterdrückt die Panik den Schmerz? Haben Eichhörnchen auch Adrenalin? Oder gibt sich das Problem mit der Zeit? Wir geben Elektrolyte und Arnika, die drei verstehen sofort das Spritzenprinzip, gelobt seien die Miracle Nipples, und wir beginnen schon mal mit der Entflohung, die drei sind nämlich rechte Flohherbergen. Solch eine Menge der Parasiten haben wir noch nicht gesehen, es sind große saugende Schwarze, die einen Blutfleck hinterlassen, wenn man sie zerquetscht, und kleine springende, die man kaum erwischt. Ein weißes Tuch als Unterlage hilft, weil man die Mistviecher besser sieht, und mittlerweile juckt es auch bei uns. Die Geschwister sind ordentlich genährt, zwischen 4 und 5 Wochen alt, haben noch runde Babyköpfe, die unteren Schneidezähne sind schon da, die Schwänze noch zusammengerollt, beim Putzen kippen sie noch um. Sie sind müde und erschöpft, das war auch ziemlich viel heute für ein kleines Eichhörnchen, sie sollen schlafen, später oder morgen versuchen wir es mit Milch. Ob wir eine Nachtschicht brauchen, entscheiden wir nachher, aber eigentlich machen wir das immer bei unseren Neuzugängen und morgen ist ja Samstag...
Gudrun u. Co 2020
Gudrun u. Co 2020
Gudrun u. Co 2020


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Die Nachtfütterung ist o.K., alle drei nehmen gern noch etwas, der erste Viertel ml Milch war auch schon dabei, und wie bei den sessions zuvor finden wir reichlich Flöhe. Nimmt das gar kein Ende? Wir taufen die drei auf die Namen Gudrun, Gundel und Guddi; der kleine Eichkater macht uns den schlappsten Eindruck, er schläft viel, bewegt sich kaum, nimmt auch ungern etwas zu sich. Gudrun ist die quirligste, obwohl sie das Problem mit dem rechten Hinterbein hat, bei der Urinstimulation und beim Entflöhen ist sie kaum zu halten, sie klettert auch schon. Gundel ist sehr scheu, immer im Fluchtmodus und recht fit und aufnahmebereit.

18.04.2020
Heute müssen Mel und Päppi mal den ersten Startplatz abgeben, mit den drei Neuen sind wir schneller fertig, dann haben wir hinterher mehr Zeit für unsere Bestandskunden. Die beiden Kätzchen nehmen Milch, Gudrun sogar 2 ml, Guddi will nicht so recht, mit Ach und Krach ein halber ml. Urin klappt, nur Gudrun hat scheinbar schon in der Box gepinkelt, dort findet sich ein grosser nasser Fleck auf dem Bodentuch. Kann sie schon allein oder war das Panik, z.B. beim Umsetzen der Tragebox ins Bad? Sie hat ja auch schon im Eimer bei den Findern gepieselt...überhaupt wirken die drei gar nicht mehr so verloren klein und babyhaft. War die Ernährungssituation vielleicht nicht so günstig, sind sie eigentlich schon älter? Aber motorisch haben sie alle leichte Probleme. Zahntechnisch wollen wir sie nachher eingehender untersuchen, im Moment sind andere Dinge wichtiger (Vertrauensbildung, Ernährung, Flöhe, Motorik). Das Vertrauen wächst so langsam, sie finden sich scheinbar in ihre neue Lage ein.
Mel und Päppi stürmen nach der kleinen Verzögerung ein paar Minuten später als sonst aus der Box, fordern ihre Milch, Mel klettert und selbst Päppi macht einige Ansätze, Mel findet ihren Platz in der Kapuze ihres Gastvaters, und dort sitzt sie im Moment mit offenen Augen und lässt sich schaukeln, hat schon beim Menschenfrühstück hospitiert und das Drama um Degu Flummi und seine im Moment tägliche Medikamentengabe als Hörspiel miterlebt. Gleich gehen wir einkaufen, dann muss die Kleine zu Päppi in die Box, den hören wir dort, aber zu sehen ist er nicht. Beide entwickeln sich toll, vor ein paar Tagen hatte wir einige Zweifel bei Mel, aber sie holt auf, sie hat eine Chance - falls nichts Unvorhergesehenes passiert, das hatten wir ja auch schon bei anderen Hörnchen.
Die Großen im Wohnzimmer brauchen immer weniger Zeit, um Chaos zu verbreiten, alles was wir gestern aufgeräumt hatten, liegt wieder herum. Sie stecken voller Energie, und wir haben jetzt auch die letzte Kommode abgeräumt, die sie bisher nicht erreichen konnten, spätestens morgen gehört die zum normalen Bewegungsradius. Sie sind halt normale Heranwachsende oder Pubertierende, sie wollen sich ausprobieren, und kein Streich ist für sie zu abwegig. Tolle Hörnchen, alle drei, fit wie die Turnschuhe und bald bereit für neue Herausforderungen. Vielleicht bauen wir auch noch ein oder zwei Attraktionen, Ideen sind da. Schoko nagt ordenlich, besonders gern Sepiaschale, und sie traut sich bis auf einen halben Meter an ihre Gastmutter heran. Die Jungs turnen natürlich gern auf ihr herum und pieseln ihr vor lauter Freude auf die Jacke, das ist nicht ungewöhnlich, und das Kleidungsstück riecht mittlerweile ziemlich herb, heute wollen wir ohnehin mal eine große Wäsche starten.
Zur Mittagsfütterung gibts schon eine kleine Routine mit den Neuzugängen, sie schrecken nicht mehr so arg zurück, erkennen den Sauger und wissen, was damit passiert. Gudrun und Gundel trinken Milch offenbar gern, Guddi müssen wir ein wenig austricksen. Er ist immer noch sehr schlapp unterwegs, zeigt dafür aber auch keine Scheu vor den Händen des catering-Personals. Eine erste Wiegung ergibt, dass Gudrun 73 g wiegt, die anderen beiden je 68 g. Wir rätseln nach wie vor wegen des Alters der drei herum: motorisch sind sie sehr unfertig, sie besitzen aber ein dickes flauschiges Fell, die Köpfe sind noch arg babyrund und die Körper gedrungen. Sind sie vielleicht einfach nur gut genährte 4-Wöchler? Oder besteht irgendein genetisches Problem? Die unteren Schneidezähne sind bei allen durch, die oberen bei allen noch nicht, die Schwänze sind schon leicht aufgegangen. Sie erinnern uns an unser zweites Hörnchen Segelohr, die war ebenso puschelig mit dichtem Unterfell und ungelenk unterwegs und ist später ein tolles Eichhörnchenmädel geworden. Gudrun schenkt uns eine ganze Reihe Köttel, die anderen beiden sind noch verstopft.
Mel und Päppi verlängern die Wachphasen, auch Päppi klettert mal notgedrungen, als der Zimmerservice die Tragebox der beiden gründlich untersucht und reinigt. Eine Menge Urinflecken finden wir und jede Menge typische Hörnchenköttel. Bei Päppi verwächst sich jetzt sein Babyspeck, er wird bald ein stattlicher Eichkater sein. Toll, wir freuen uns drauf.
Die nächsten Fütterungen mit den drei Massenern sind gemischt - während Gudrun immer mehr Mißtrauen aufbaut und Distanz hält, tauen Gundel und Guddi auf, während der Nachtfütterung haben wir Guddi dann endlich so weit, dass er die Milch voll akzeptiert und mit Appetit trinkt. Die Umstellung scheint ihn wohl etwas beschäftigt zu haben, vielleicht war es auch einfach zu viel für ihn in den letzten anderthalb Tagen, jetzt läuft er jedenfalls in der Spur.
Gudrun u. Co 2020
Mel 2020
Ole und Bob 2020


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19.04.2020
3 Stunden später treffen wir uns schon wieder mit den dreien, Gudrun pinkelt jetzt nur noch selbständig, sie lässt sich praktisch gar nicht mehr anfassen, bestenfalls noch für die Milch, aber auch das versucht sie zu vermeiden. Bei Guddi gehts weiter bergauf, er ist längst nicht mehr so lethargisch, und Gundel hat einen festen Ablauf mit trinken, pinkeln und anschließend geknuddelt werden, zum Schluß noch ein wenig wühlen in den Tüchern, die wir zur Köttelkontrolle neben die Tragebox gelegt haben.
Mel und Päppi sind mittlerweile rechte Teenager geworden, einfach so anfassen geht da auch nicht mehr so ohne weiteres, aber sie entwickeln sich toll und sind bildhübsche Hörnchen geworden. Päppi wird muskulöser, er bewegt sich jetzt auch mehr, Mel wird immer ein kleines Hörnchen bleiben, sieht aber jetzt nicht mehr wie ein Mangeltier aus, sie hat wie ihr WG-Gefährte wunderbares Fell und bewegt sich klasse. Sie bestimmen jetzt auch ihre Wachzeiten immer mehr selbst, meist müssen wir sie nicht mehr wecken zur Fütterung, da müssen so langsam andere Reize her fürs Lernen.
Die Großen sind Prachthörnchen, werden durch den Milchentzug auch immer trainierter, Schoko traut sich immer wieder mal heran, aber die letzten 50 cm sind noch nicht überwindbar, und eine unbedachte Bewegung vertreibt sie in irgendeine dunkle Ecke. Zur Begrüßung haben die beiden Jungs heute ihren Gastvater mit einer tollen Pipidusche beglückt, mit der Erfahrung von den anderen Hörnchen vor Ihnen werten wir das eher als Liebesbeweis.
Am Nachmittag stellen wir fest, dass auch Gundel ein wenig mehr Distanz sucht, sie erschreckt schnell, ein Auslöser ist uns nicht aufgefallen. Gudrun braucht ganz viel Geduld, dann kommt sie auch freiwillig auf die Hand, aber ein falscher Ton oder eine falsche Bewegung kann sie schnell wieder verscheuchen. Sie sind jetzt etwas mehr als 48 Stunden bei uns, wir wollen nicht ungeduldig werden und werden weiter um ihr Vertrauen werben. Und Obst, das in den ersten 24 Stunden der Hit war, wollen sie mittlerweile gar nicht mehr haben, keine Melone, keinen Apfel. Vereinzelte Flöhe scheinen immer noch da zu sein, ab und zu verläuft sich mal einer und wird sofort massakriert; vermutlich hat Gudrun noch den einen oder anderen Mitesser, aber wir kommen ja nicht an sie heran...
Alle drei Delinquenten im Wohnzimmer sind gut drauf. Die anderen 5 sind auch wohlauf, trinken gut, kötteln unverdächtig, Gudrun pinkelt nach wie vor allein, Gundel lockert sich wieder etwas und Guddi wird auch aktiver, Mel und Päppi machen uns eine Menge Freude.

20.04.2020
Zur Frühfütterung haben wir die fünf noch getrennt, wir merken schnell, dass wir mit unserer Zeit nicht hinkommen und teilen uns auf, einer die drei, der andere Mel und Päppi. Das verwirrt alle so sehr, dass wir keine Milch loswerden und alle Hörnchen durcheinander sind. Also beschließen wir, sie zusammen zu setzen, beide Trageboxen kommen ins Bad, die Klappen auf und los geht die wilde Jagd...sie beschnuppern sich gegenseitig, lernen sich dann schnell kennen, toben miteinander herum und beschließen dann später erschöpft, gemeinsam ein Nickerchen zu machen, natürlich in der kleinen Transportbox, der große Päppi quer über den Kleinen liegend. Mel wird das bald zu eng oder zu viel oder zu warm, sie streift einsam durchs Bad und findet dann Asyl bei ihrem Gastvater in dessen Pullikapuze, da hat sie ja schon mal gelegen. Das macht ihr wiederum Spaß, sie fühlt sich sichtlich wohl.
Wir platzieren ein Regalbrett quer vor der Badezimmertür, so können wir jederzeit hineinschauen, was wir da sehen, macht aber Spaß - vor allem Gundel und Päppi laufen zur Höchstform auf, aber alle anderen machen auch mit. Guddi zieht sich als erster zurück und bezieht die Parkposition, irgendwann ist wieder Ruhe...bis auf Mel, die bekommt dieses Mal einen kleinen plüschigen Transportbeutel bei ihrer Gastmutter angeboten, und mitsamt dem Beutel wird sie später ins Bad zurückgebracht. Noch später sehen wir, dass sich Päppi dazugelegt hat, es ist also alles in Ordnung. Die Nachmittagsfütterung verläuft eher müde, Mel und Päppi bleiben für sich, Guddi legt sich sofort wieder hin, Gudrun und Gundel haben Bewegungsbedarf.
Im Wohnzimmer gibt es jetzt mehrmals am Tag Aufräumbedarf, die Jungs schleppen alles herum und verteilen die Holzschnitze aus dem Olivenbaumtopf gern großzügig; sie kommen ohne Probleme die Vitrine senkrecht hoch, damit ist auch der letzte Ort gefallen, an dem wir mal Handfeger und Kehrblech deponieren können. Ab 18 Uhr bleiben sie ruhig, von Schoko war ohnehin nicht viel zu sehen, im Obergeschoss müssen wir noch zwei Mal füttern, die Fütterungen werden eher zu happenings.

21.04.2020
Schon morgens machen die fünf im Bad eine tolle Spiel- und Klettertour, Frühstück wird zur Nebensache. Alle machen mit, Gudrun eher am Boden, aber selbst Guddi klettert seinem Gastvater auf die Schulter. Urinstimulation wird immer mehr zum Problem, keiner mag mehr so recht. Mel krabbelt zum Schluß der Veranstaltung mal wieder in die Kapuze und bleibt dort ganz ruhig, gelegentlich schaut sie heraus, fühlt sich aber offensichtlich wohl. Wenn die Party lange genug dauert, kommt auch Gudrun dazu, sie ist immer noch ein wenig special, Päppi hat mittlerweile völliges Vertrauen, lässt sich anfassen, legt sich in Jackentaschen oder krabbelt in Hosenbeine, seine Krallen gehen auch mittelerweile durch die Jogginghose. Er kommt auch sofort angelaufen, wenn wir das Bad betreten, Mel ist ab und zu noch ein wenig mißtrauisch und schreckhaft, aber ein Grundvertrauen ist da. Der Trubel im Bad macht Spaß und ist kurzweilig, allen fünfen geht es gut.
Bei den Großen gibts keine Änderung, die Entwicklung dort geht auch sicher nicht mehr so schnell, sie haben schon allesamt ein tolles level erreicht. Die Auswilderungsplanungen nehmen Gestalt an, ein Termin wird gesucht, das Wetter ist im Moment auch sehr gut geeignet.
Paeppi 2020
Guddi, Mel und Gundel 2020
Gudrun 2020
Schoko 2020
Bob 2020
Ole 2020


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Die Spätfütterung im Bad ist eher ein Spieltreff als Nahrungsaufnahme, gefuttert wird zwar reichlich, vor allem Milch, aber auch gaaanz viel gespielt und geturnt (um 23 Uhr!), die fünf sind ausgelassen, selbst Gudrun lässt sich jetzt anfassen zur Urinstimulation, Mel und Päppi sind auch noch keine zuverlässigen Selbstpinkler. Guddi ist der erste, der sich zurückzieht, Gudrun legt sich zu Mel und Päppi in die kleine "Kuscheltasche" aus Plüschfleece, eigentlich für besonderen support gedacht, weil man damit die Kleinen am Körper tragen kann, sie liegen weich und warm und bekommen Bewegungen, Stimme und den Herzschlag des Trägers mit. Die drei Größten aus der WG tummeln sich also in dem kleinen Ding...wir legen es in die große Box, bald wird es Päppi zu eng und er sucht sich in der Box einen eigenen Schlafplatz.
Ole und Bob haben noch mal einen activity-Schub, sie bespielen uns stürmisch, Ole stiehlt einen Butterkeks aus der Packung auf dem Tisch und langt zu, sie versuchen mal eben nebenbei, das Stromkabel des mitgeführten Notebooks zu zernagen oder wenigstens das Mausrad zu zerstören. Ole krabbelt aber auch in eine Jackentasche und lässt sich dort supporten, minutenlang liegt er dort mit halb geschlossenen Augen, ganz der Kleine, der er vor Wochen noch war, und scheint die Situation zu genießen, obwohl er sich schon arg zusammenrollen muss in der engen Tasche. Nachdem er und sein Bruder - Schoko haben wir natürlich nicht gesehen - wieder zum Kratzbaum zurückgeleitet werden, kann der Tag beendet werden.

22.04.2020
Für die Frühfütterung gilt dasselbe wie oben - viel Spiel, wenig Milch. Immerhin lassen sich alle zum Pinkeln animieren (selbst Gudrun!), die fünf profitieren alle von der Gruppensituation, sie werden mutiger und selbstbewusster, Gudrun ist jetzt mehr im Geschehen als nur am Rand. Alle klettern prima, kein Schabernack ist ihnen fremd, eigentlich ist das das tollste Alter aus unserer Sicht, sie lernen täglich dazu, sehen weniger wie Tennisbälle aus, der Umgang miteinander ist manches Mal durchaus rauh, aber spätestens wenn es an das nächste Nickerchen geht, kuschelt man sich aneinander und leckt sich gegenseitig das Fell. Defizite oder Angst erkennen wir im Moment nicht, motorisch sind alle gut drauf, selbst Gudrun hat ihre anfängliche Lahmheit des rechten Hinterbeines verloren, die Nahrungsumstellung auf Fox Valley hat zwar einige schmierige und übelriechende Köttel ans Licht der Welt gebracht, aber auch das ist vorbei. Sie bekommen jetzt auch Nuss- und Frischebuffets angeboten, Milch in der Schale geht auch schon (Guddi ist der erste!). Jetzt warten wir auf obere Schneidezähne, auf autonomes Pinkeln, auf selbstbestimmte Nahrungsaufnahme und bis dahin auf viele lustige Momente und witzige stunts. Die einzelnen Charaktere sind schon zu erkennen, gerade bei den drei Massenern, jede/r hat irgendeine Eigenart, Guddi z.B., der Bub, ist immer noch ein wenig vorsichtig und nicht der Partytyp, Gundel eher forsch und mutig und mit einem ausgeprägten eigenen Willen, Gudrun schon eher erwachsen, Päppi souverän mit gutem Selbstvertrauen und Mel hat den Schalk im Nacken und ist manches Mal ganz schön kuschelbedürftig. Allesamt sind sie liebenswert, und wenn nicht noch irgendwelche fiesen Viren oder Entzündungen kommen, werden sie den Lüerwald bereichern.
Ole und Bob sind pure Kraft und einfallsreiche Zerstörung, Schadnager eben, aber trotzdem auch wieder lustig und sympathisch und kuschelbedürftig; Schoko macht sich nach wie vor rar, wir sehen sie nur aus der Ferne.

25.04.2020
In den letzten Tagen war viel los, wenig Zeit zum Schreiben, daher hier eine kurze Zusammenfassung:
Ole und Bob überwinden die bisherige Bande zum Wohnzimmer ohne Problem, sie hatten schon eine Begegnung mit Degu Flocke, der auf seiner Freilaufrunde auf einmal verdutzt Ole gegenüberstand. Flocke hat das staring-down gewonnen, er ging zwei Schritte auf Ole zu, und der suchte das Weite. Natürlich haben wir sofort die höchste Absperrung, die wir haben, aufgebaut, nun hopsen Ole und Bob immer dagegen und versuchen, sie ebenfalls zu überwinden. Es wird Zeit, dass sie in den Wildwald kommen, aber dort ist im Moment niemand zu erreichen. Schoko ist unverändert scheu, aber auch flink und eine tolle Tempokletterin.
Päppi wandelt auf Ole und Bobs Spuren, er springt mittlerweile einen Meter weit aus dem Stand, ist neugierig, interessiert sich brennend für den Ausgang aus dem Badezimmer und ist ein bildhübscher und strammer Eichkater und dabei unheimlich lieb. Er duldet die Hand "seiner" Menschen, zwickt auch mal gern in die Finger, ein Klassiker besonders, wenn das gesamte Körpergewicht auf der einen Hand ruht, z.B. bei der Fütterung eines anderen Hörnchens und er sich da die Finger der Reihe nach vornimmt. Mel ist ruhig, wächst leider nicht so schnell und so viel, wie wir uns das gewünscht hätten, sie ist weniger aktiv als Päppi, klettert aber auch und kleinere Sprünge klappen. Besonders gern wird von beiden die Kapuze ihres Gastvaters genommen, um einzuschlafen, da hilft dann nur noch vorsichtig Jacke ausziehen und an Haken an den Handtuchheizkörper hängen, damit sie nicht wach werden. Gudrun ist fit, aber leider nach wie vor ein wenig schreckhaft und eher eine Eigenbrötlerin, manchmal allerdings sucht sie auch die Nähe ihrer Artgenossen, besonders der beiden größeren. Gundel entwickelt sich leider ähnlich, ist aber superfit; sie hat immer noch Krusten an der Nase von ihrem Sturz am letzten Tag in der Freiheit, aber ansonsten kann sie mit Gudrun und den anderen beiden weitestgehend mithalten. Der kleine Eichkater Guddi ist immer noch ein wenig hinterher, er ist eher müde und schlapp, hat nur kurze Wachzeiten, da klettert er dann aber auch mit den anderen. Leider bleibt er zu oft allein im Kobel liegen, die anderen finden sich zu Schlafgruppen zusammen, die immer mal wechseln, aber Guddi ist da zu oft nicht dabei, was uns natürlich leid tut. Wir versuchen durch gezieltes Zuweisen von Schlafplätzen, das irgendwie zu steuern, das klappt aber nur bedingt. Ernährungstechnisch werden die 5 WG-Bewohner schon so langsam selbständig, natürlich nehmen sie gern noch Milch, aber auch Baumnüsse sind interessant, angeknackte Walnüsse werden schon mal bearbeitet und gelegentlich wird auch was versteckt, Melone geht auch immer mal wieder. Urinstimulation ist das nackte Grauen, bis auf Gudrun sind alle noch keine verlässlichen Selbstpinkler, aber die Prozedur will kein Hörnchen mehr über sich ergehen lassen. Wir versuchen es zumindest bei der Mittags- und Nachtfütterung, wenn sie müde sind und sich vielleicht überrumpeln lassen, aber das ist schon ein mühseliges Geschäft - aber einfach ohne Pipimachen wollen wir sie auch nicht rumrennen lassen. Auch die 5 Kleinen wollen mittlerweile ein wenig mehr erleben, die Wachzeiten werden immer länger, ein Umzug ins Wohnzimmer wäre fällig, aber solange die Großen da sind, macht das nicht viel Sinn. Aber wir können ja schlecht einfach die Balkontür aufmachen...
Unsere letzte Milchlieferung ist leider im Moment verschollen, nachdem sie kurzfristig vom Versender auf den Weg gebracht wurde, hat es der Lieferdienst mal wieder nicht geschafft, das Paket zu uns zu bringen; angeblich haben Zustellversuche stattgefunden, von denen wir aber nichts gemerkt haben, denn wir waren da. Nun ist die Lieferung vermutlich wieder auf dem Weg zurück zum Absender und wir haben den Versand bezahlt, um dem Milchpulver mal eine Rundreise zu gönnen, klar, ist ja auch langweilig so im Regal im Lager. Als wenn das nicht alles schon anstrengend genug wäre...
Guddi 2020
Päppi 2020
Ole und Bob 2020


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Auf dem Foto in Mitte sieht man die Transporttasche, die die Hörnchen gern zum Schlafen nehmen; rechts Ole und Bob auf dem Weg die Vitrine hoch, ist offenbar doch anstrengend.
Der Nachmittag ist eher merkwürdig im Bad: 4 liegen in einer von uns am Heizkörper angeknoteten selbstgenähten "Schlaftasche" aus rosa Fleece, Guddi mal wieder allein in einem umfunktionierten Kulturbeutel, so recht will keiner gefüttert werden, Pipimachen sowieso nicht, wir nehmen sie einzeln aus ihrer Schlafgelegenheit und siehe da: wir werden einige ml Milch los. Geht doch, warum nicht gleich so? Außer Päppi lässt sich kein Hörnchen wirklich auf uns ein, solch eine Distanz kennen wir sonst kaum, das macht es nicht einfacher, selbst der kleine Guddi, der immer wieder unseren besonderen support braucht und bekommt, fremdelt ein wenig. Päppi dagegen ist eine treue Seele, er freut sich immer ehrlich, wenn wir uns ins Bad begeben, er kommt und beturnt uns und zwickt die Finger und lässt sich knuddeln, alle anderen können wir nur am ausgestreckten Arm füttern. Vielleicht wirds morgen früh wieder etwas herzlicher und näher, schaun wir mal.
Wegen Ole, Bob und Schoko haben wir noch einmal Kontakt zum Wildwald aufgenommen, unser Standardgehege für die Hörnchen ist überraschenderweise von einem Greifvogel belegt, wir sollen aber kurzfristig Mitteilung bekommen, wann wir unsere Rabauken wohin bringen dürfen, sie sind willkommen.
Die Nachtfütterung findet in seltsamer Atmosphäre statt, außer Päppi sind alle distanziert und ängstlich. Wir legen sie noch einmal in die große Tragebox zur Nachtruhe, das wird aber nicht mehr oft klappen, da müssen wir uns wohl etwas anderes einfallen lassen, wenn wir das Bad abends noch mal benutzen wollen.
Guddi 2020
Schoko 2020
Ole und Bob 2020


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26.04.2020
Morgens kommen Mel und Päppi sofort aus der Box und bespielen ihren Gastvater, Frühstück ist nicht ihr vordringliches Interesse. Gudrun kommt dazu, nach einigen Minuten traut sie sich an die Spritze in der ausgestreckten Hand, kommt danach dann aber auch näher. Guddi und Gundel bekommen ihre Milch in der Tragebox, danach klettern beide in die rosa Schlaftasche am Heizkörper, die Kapuzenjacke ihres Milchspenders ist mittlerweile fester Einrichtungsgegenstand geworden, sie hängt unter der Tasche an der Heizung und dient als Kletterhilfe. Päppi springt schon prima und probiert das auch immer gern aus, er ist auf einem tollen Weg.
Im Wohnzimmer herrscht dasselbe Chaos wie in den letzten Tagen schon, überschäumender Aktivittsdrang und unbändige Neugier sind eine verheerende Kombination für unseren Beherbungsmöglichkeiten. Bisher haben wir noch keine Nachricht aus dem Wildwald, Ole und Bob müssen sich noch gedulden...oder wir entlassen sie in unser Wohngebiet. Komische Vorstellung: kann das funktionieren? Aber hörnchengerechte Lebensbedingungen hätten sie dort nicht.
In Berlin scheint das aber so zu laufen, ein großer Friedhof wäre auch eine Option, aber...

27.04.2020
Die Kleinen im Bad schlafen jetzt nur noch in der rosa Fleecetasche, ein wildes Knäuel von Schwänzen und Nasen, wenn man hineinschaut. Wir füttern sie auch dort, es sei denn sie sind sowieso unterwegs. Das scheint ihnen gut zu gefallen, obwohl wir uns nicht vorstellen können, wie die armen Tierchen, die unten im Knäuel liegen (unter Päppi und Mel z.B.) überhaupt noch Luft bekommen können. Bei der Frühfütterung sind sie relativ entspannt, Pipi machen will natürlich niemand, das ist vermutlich völlig uncool und auch nur was für Babies...nach einigen Minuten und einigen ml Milch legen sie sich noch einmal hin (außer Päppi natürlich) und nehmen noch eine Mütze Schlaf, um dann später umso fitter wieder durchs Bad zu turnen. Blöderweise laufen sie asynchron zu den Fütterungszeiten, wenn wir füttern wollen, schlafen sie alle und wenn sie fit sind, ist gerade keine Fütterungszeit. Vielleicht finden wir da noch zueinander, allerdings bedienen sie sich immer mehr am Nuß- und Frischebuffet, Baumhaselnüsse sind nach wie vor der Renner, am liebsten als Filet (geknackt). Und Melone mal wieder.
Die Großen im Wohnzimmer finden täglich irgendwelchen Schabernack, den sie bisher noch nicht gespielt haben, und schon muss wieder jemand zu ihnen hinein, um irgendwelche Dinge zu retten...heute ist es der Eckschrank, der unglücklicherweise ein Loch im Ziwschenboden hat, durch das man in den Schrank klettern kann. Zwar ist das Loch mit Tüchern, Pappe und Hantelscheiben (!) gesichert, das hält sie aber nicht davon ab, sie wegzuzerren und trotzdem durchs Loch abzusteigen. Zugegeben, es handelt sich nur um mehrere 1 1/4 kg-Scheiben, trotzdem sollte das für ein 300 g-Hörnchen reichen. Tut es nicht, und schon haben die beiden Sauerländer Buben wieder ein Opfer, das sie erst nach vielen Versuchen wieder aus dem Zimmer entlassen.
Wir haben jetzt einen Termin für Stufe 1 der Auswilderung, also für den Umzug ins Außengehege des Wildwaldes. ganz glücklich sind wir mit der Lösung nicht: "unser" Standardgehege ist mit einem verletzten jungen Falken (ausgerechnet) besetzt, unsere drei Umsiedler müssen ins Residentengehege, wo schon mehrere Hörnchen seit längerem leben, weil sie nicht mehr ausgewildert werden können (fatale Schwanzfärbung mit einem weißen Streifen z.B. bei dem einen). Hoffentlich gibt das keinen Streß, mit den Mitbewohnern und mit dem Nachbarn...

28.04.2020
Es hat geklappt! Ole und Bob und Schoko sind umgezogen in den Wildwald, zunächst ins Residentengehege, und...sie scheinen sich dort wohl zu fühlen! Das hatten wir noch nie: wenige Minuten, nachdem wir ihren Holzkobel aufstellen und die Ausgänge öffnen, verlassen sie ihr Häuschen und toben durch das Gehege. Toll, das macht es für uns nicht so schwer.
Die Aktion wurde wieder genau geplant, abends bereiten wir alles vor, packen den Rucksack mit Wasser und Futter und Taschenlampen, der Gehegschlüssel darf natürlich nicht fehlen. Außerdem entfernen wir alle möglichen Kobel aus dem Wohnzimmer mit Ausnahme des Holzhäuschens, nach der Spätfütterung für die Kleinen legen wir uns auf die Couch im Wohnzimmer, weil wir nicht nachts für Unruhe sorgen wollen, wenn wir das Zimmer betreten. Da wir ohnehin kaum schlafen können behalten wir auch den Überblick, wer sich gerade wo aufhält und können so einigermaßen sicher sein, dass wir kein Hörnchen zurücklassen. Schoko lässt ihren Kopf die ganze Zeit durch den Seitenausgang hängen, die Ohren sind gespitzt - natürlich ahnen die drei, dass etwas anders ist als sonst. Wir wollten eigentlich um 4 Uhr morgens die Luken mit den dafür vorgesehenen Klappen versperren, eine Viertelstunde vorher erscheint die Situation günstig, Schoko zieht mal ihren Kopf zurück, alle Hörnchen sind drin, also los...einer hält beide Luken zu, der andere schiebt die Klappen davor und schraubt sie fest, Glück gehabt, alle erwischt. Sie sind erstaunlich ruhig, versuchen auch nicht, die Lüftungsschlitze weiter zu nagen, kein Mucks dringt aus dem Kobel, wir können nach Vosswinkel fahren. Wir sind früher dran als geplant, es ist noch zappenduster, als wir um halb fünf dort das Hörnchengehege aufschließen, aber die ersten Bewohner sind schon unterwegs, vermutlich haben wir sie aufgeschreckt. Ein Käuzchen ruft, die Frösche im nahen Teich quaken und die Vögel pfeifen uns was. Wir stellen das Häuschen auf den Boden und verlassen das Gehege, und schon bald kommt Bob heraus, und kurz danach auch Ole und Schoko - die war übrigens gestern Abend noch so nett, uns anzugähnen, dabei konnten wir ihre perfekten Zähne oben und unten sehen. Wir beobachten das Schauspiel im Gehege noch eine Stunde, alles läuft gut, unsere Schützlinge finden auch Futter, ansonsten sind sie damit beschäftigt, ihren neuen Lebensraum für die nächsten zwei oder drei oder vier Wochen zu untersuchen. Um halb sieben sind wir wieder daheim und können unsere verbliebenen Gäste betüddeln, die anderen machen jetzt die Bekanntschaft der Schafe, die bei Sonnenaufgang neben dem Eichhörnchengehege Gras zupfen und der drei Gänse, die übers Gelände patroullieren, sie hören viele neue Geräusche, nachher soll es regnen, überhaupt wird es in den nächsten Tagen eher durchwachsen und die ersten menschlichen Besucher sind nach dem Corona-lockdown auch wieder da.
Morgen früh werden wir sie natürlich besuchen, ein paar Leckerlis sind dabei, aber die Hoffnung, dass sie sich die abholen eher gering. Jetzt gilt es, das Wohnzimmer für die anderen fünf zu präparieren, denen wird es im Bad nämlich ätzend langweilig. Mit zwei Stunden Schlaf auf dem Konto und einem turbulenten Arbeitstag hinter uns keine Aufgabe, die mal eben so von der Hand geht, aber wir wollen auch endlich mal wieder duschen Smiley. Und natürlich genießen, wenn die Kleinen den nächsten Schritt machen.
Ole 2020
Ole 2020
Gudrun, GUndel und Guddi 2020


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Am frühen Abend bringen die fünf ins Wohnzimmer, sie sind aufgeregt, wuseln herum, probieren einiges aus, besetzen das Holzhäuschen als neuen Schlafkobel (im Moment sind sie noch klein genug und passen alle hinein), später dann ändert sich das Bild und alle sind sehr unruhig, schreckhaft und verstecken sich sogar vor uns.

29.04.2020
Zum Sonnenaufgang im Wildwald - ein schönes Erlebnis, allein die ganzen Tierstimmen, die Atmosphäre, toll. Die Hörnchen sind schon in action, wir sehen Ole und Schoko, Ole holt sich sogar einige Nüsse ab, Schoko ist nicht zu bewegen. Sie halten sich eher abseits von dem Treiben der anderen, wenn ein Größerer in die Nähe kommt wird er auch gern angefaucht, sie scheinen einen Schlafplatz gefunden zu haben, denn der Holzkobel, mit dem wir sie in den Wildwald gebracht haben, sieht unbenutzt aus. Leider konnten wir Bob nicht sehen, der scheint sich irgendwo indoor versteckt zu halten. Ole ist offensichtlich gesund, kratzt sich natürlich mittlerweile ordentlich, da werden wohl einige Flöhe angedockt haben, Schoko huscht leichtfüßig durchs Gehege.
Die fünf im Wohnzimmer überraschen uns, sie sind nach wie vor ängstlich, scheinen im Moment kein Vertrauen zu uns zu haben, Päppi und Mel kommen zu uns, wollen aber lieber in der Nähe des Schlafkobels bleiben, die anderen drei können wir nur mit ausgestrecktem Arm füttern, danach verziehen sie sich sofort. Später ergreifen sie auch die Flucht, wenn wir das Zimmer betreten, sie brauchen wohl noch Zeit, und die sollen sie bekommen. Uns fällt jetzt erst einmal auf, wieviel kleiner sie sind als Ole und Bob, und die beiden Prachtbuben sind im Vergleich mit den erwachsenen Hörnchen im Wildwald auch noch eher zierlich. Da haben die fünf noch einiges zuzulegen. Komisch ist, dass sie im Badezimmer ganz anders drauf waren, sie haben mit uns gespielt, sind auf uns herumgetobt, manches Mal alle fünf gleichzeitig, sie haben Unfug gemacht und wollen uns gar nicht herauslassen, haben jede Gelegenheit zum Klettern genutzt, wilde Sprünge vollzogen und schienen selbstbewusst und fit...und jetzt ist alles vergessen, vor uns muss man weglaufen und das große Wohnzimmer scheint eher eine Bedrohung zu sein.

30.04.2020
Sonnenaufgang im Wildwald fällt leider aus wegen Dauerregen, wir legen uns um fünf Uhr morgens wieder hin, fahren dann aber am Nachmittag. Wir sehen Ole und Bob im Gehege, Ole kommt völlig selbstverständlich ans Gitter und schlägt sich den Bauch mit den Leckerlis aus unserer Tüte voll: Pekannüsse, Walnüsse, Haselnüsse, Pinienkerne. Bob ist scheu, er scheint uns zu erkennen, kommt aber nicht, die letzten 50 cm fehlen leider, allerdings ist auch Trubel im Wildwald im Eingangsbereich, viele Kinder, viel Unruhe. Ole und Bob bewohnen denselben Kobel, es gibt mehrere dort im Residentengehege, wir hoffen, dass auch Schoko dort liegt, sie sehen wir leider nicht.
Daheim empfängt uns früh am Morgen ein wildes Gewusel von spielenden Hörnchen, die durcheinanderquirlen und sich auch nicht von uns mit der Milch aus ihrem Spiel bringen lassen. Sie sind selbständig wach geworden und aus ihrem Kobel gekommen, bedienen sich an den Buffets, trinken auch schon Wasser aus der Schale (mit viel Gepruste, das klappt noch nocht so ganz), beziehen uns in ihr Spiel mit ein, nur Gundel versteckt sich lieber und Guddi überlegt immer etwas länger als die anderen.
Die Situation im Wohnzimmer entspannt sich so langsam, Fütterungen klappen mal mehr mal weniger, dafür müssen wir ordentlich Nüsse und Wassermelone nachlegen, alles im ultragrünen Bereich also, die fünf machen Spaß und sind noch so richtig verspielt. Vor allem Mel und Päppi sind uns gegenüber überhaupt nicht scheu, verstecken Marone (sehr beliebt!) im Pullikragen, pinkeln dort auch schon mal ordentlich hin und brechen regelmäßig das Eis für uns bei Gudrun und Guddi.
Die Spätfütterung findet wieder als "Lieferung frei Kobel" statt, die Nasen, die sich uns entgegenrecken, bekommen Milch, so ganz genau kann man in dem Knäuel nicht erkennen, wen man da gerade gefüttert hat, am nächsten Morgen sehen wir dann die Milchstippen im Fell bei den Kandidaten.
Ole 2020
Päppi und Mel 2020
Bob 2020


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01.05.2020
Wir können uns nicht aufraffen, früh aufzustehen, wir fahren nachher in die "Außenstelle Wildwald", die Frühfütterung im Wohnzimmer läuft wie gestern, ein wildes Gewusel, Gundel bleibt lieber im Kobel, der ist übrigens mittlerweile das altbewährte Tipi, bei allen Hörnchen sehr beliebt, warum auch immer. Als die erste überschäumende Aktivität nachlässt verlassen wir das Zimmer, nicht ohne vorher noch die Buffets aufgefüllt zu haben. Gurke ist nicht so gefragt, dafür kann jemand schon Sonnenblumenkerne knacken. Die fünf machen viel Freude, sie sind alle fit in unterschiedlichen Entwicklungsstufen und mit unterschiedlichen Charakteren, körperliche Mängel hat keine/r; Mel, die wir anfangs als Mangelhörnchen eingestuft haben, hat gut aufgeholt, sie ist halt zierlich; das sind die anderen aus Unna-Massen auch, wir hören auch von anderen "Hörnchenpäpplern", das möglicherweise die Ernährungslage nicht so toll ist da draußen und deshalb der Hörnchennachwuchs körperlich nicht nach bisherigen Maßstäben altersgerecht entwickelt ist. Das ist wohlgemerkt nur eine rein subjektive Betrachtung, gilt vielleicht auch nur für Hörnchen aus städtischer Umgebung, Ole und Bob aus Olsberg waren ja ganz normal drauf und sind richtige Prachtburschen geworden, Päppi aus Fröndenberg ist auch ein Brummer, aber sowohl die Massener als auch Mel und Schoko aus Dortmund sind schon eher klein für ihr Alter...und alle Hörnchen, die wir in den letzten zwei Jahren hatten, konnten wir viel leichter in das klassische Altersschema einsortieren (bis auf Kara und Swiffy), als uns das in diesem Jahr gelingt. Und überall die Hinweise auf verdorrende Wälder wegen Wassermangel, Borkenkäfer und in unserer Stadt auf Bäume, die wegen diverser Krankheiten gefällt werden müssen oder diversen Bauprojekten zum Opfer fallen. Ersatzpflanzungen sind ganz nett, aber bis die irgendwelche Auswirkungen auf die Eichhörnchenpopulation haben, dauert das schon ganz schön lange, keine Ahnung, wie das weitergehen soll. In Berlin passen sich immer mehr Tierarten dem "Stadtdschungel" an, wir haben Bilder von Wildkameras gesehen, die richtig viele Arten zeigen, die nachts die Futterstationen in Gärten besuchen, oder "Leben mit Eichhörnchen in der Stadt" zeigt Hörnchen aus Frankfurt/Main - ist das der Weg für unsere Eichhörnchen?
Nachmittags gehts zu Ole, Bob und Schoko, Ole kommt sofort ohne zu zögern und schlägt sich den Wanst voll mit den tollsten Nussherrlichkeiten, Bob fehlen 50 cm, Schoko sehen wir dieses Mal gar nicht. Ole ist fit, Bob scheint ein wenig irritiert, er ist unruhig. Jedes Mal, wenn ein "Ureinwohner" des Geheges in die Nähe kommt, gibt es ein wenig Streß, entweder wird gefaucht oder geflüchtet.
Abends daheim ist Päppi völlig durch den Wind, irgendetwas hat ihn erschreckt, er will auf keinen Fall ins Tipi zu den anderen oder allein ins Holzhaus, die Kapuze seines Milchspenders ist der einzige Ort, wo er auch nur ein wenig zur Ruhe kommt. Gut, also bekommt er Asyl dort, anlehnen beim Sitzen wird sowieso überbewertet, Hauptsache der Bursche ist glücklich. Einige Minuten später streift Mel suchend umher, als sie Päppi in der Kapuze entdeckt, legt sie sich schnurstracks dazu, und räumt diesen Platz auch nicht mehr freiwillig. Zur Schlafenszeit wollen wir sie umbetten - nö, keine Chance. Also Jacke ausziehen, auf einen Kleiderbügel an die Kommode hängen, was tut man nicht alles...am nächsten Morgen liegen sie noch genau so da, die beiden Schlingel.

02.05.2020
Bei der Frühfütterung trauen sich mal 5 Hörnchen auf ihre Gastgeberin und beturnen sie, diese Momente der Gemeinsamkeit gibt es aber kaum noch. Meistens sind Mel und Päppi anhänglich, jedenfalls vormittags, nachmittags herrscht eher vorsichtige Distanz und abends verstecken sich alle lieber. Die Fütterungen mit der Spritze können wir bald einstellen, wir stellen dann um auf Trinkschalen, allerdings fressen die fünf wirklich reichlich Nüsse und alles andere, was wir ihnen so anbieten.
Nach der ersten session gehts in den Wildwald, dort treffen wir alle drei Nasen, Ole kommt wieder sofort, fast sieht es so aus, er habe auf uns gewartet. Bob fehlen nur noch 20 cm und Schoko rennt zumindest nicht mehr weg, sondern schaut sich Oles Gelage aus etwas Entfernung an. Die drei scheinen als Gruppe noch zu funktionieren, sie bewohnen denselben Kobel, jede/r duldet die Nähe der anderen beiden, das ist bei den "ständigen Bewohnern" durchaus nicht so. Wenn jetzt Bob und Schoko sich auch noch ein Leckerli abholen würden...allerdings haben sie die nach ihrer Auswilderung dann auch nicht mehr, vielleicht ist es gut, wenn sie den Abstand wahren.
Im Wohnzimmer läuft es fast so wie gestern, bis mittags ist unsere Anwesenheit dort akzeptiert, nachmittags wird man dann schon reservierter und gegen Abend stören wir scheinbar nur noch. Aber immerhin pennen alle an den selbstgesuchten Orten, Mel blöderweise unter der Decke auf der Couchlehne, das scheint ihr Lieblingsrückzugsort zu sein, da müssen wir was machen, sonst leidet das Polster.
Wir bauen so nach und nach die Attraktionen wieder auf, Kratzbaum und Kletterbaum z.B., die wir zu Zwecken der Reinigung und Desinfektion abgebaut und zerlegt hatten. Das ist viel Arbeit, aber wir möchten die Sachen auch nicht einfach wegwerfen und durch neue ersetzen, zum einen spart das Geld und zum anderen ist das nicht unsere Mentalität.
Unser Paket mit allen möglichen Dingen, die wir eigentlich dringend bräuchten, und das uns von einem Paketzustelldienst angeblich nicht zugestellt werden konnte, ist immer noch nicht bei der Absenderin wieder aufgetaucht. Europa im Jahr 2020 - auch wenn im Moment Ausnahmezustand herrscht, sollte die Zustellung eines Paketes kein unüberwindbares Problem darstellen. Das nächste Mal fahren wir die 280 km zum Shop wohl lieber selbst.
Ole 2020
Guddi 2020
Mel und Päppi 2020


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03.05.2020
Zur Frühfütterung erreichen wir nur noch Mel und Päppi, die anderen drei ignorieren uns nach Kräften, sowie wir uns mit der Spritze in der Hand vorsichtig nähern, sind sie verschwunden. Also gibts ab sofort Schälchen mit Milch, da müssen wir nur aufpassen, das wir sie nicht zu lange herumstehen lassen. Nüsse müssen wir ständig nachlegen, Maronen sind immer noch der absolute Hit, Apfel geht auch schon mal. Immerhin Guddi traut sich neben Mel und Päppi noch zum Gastgeber, Milch will er aber auch nicht. Bei Päppi fächern so langsam die Schwanzhaare auf, er wird erwachsen.
Der Kletterbaum aus Fleecestoff ist, wie schon bei den Vorgängern, die ganz große Attraktion, so groß, dass die WG sogar dort die Nacht verbringt, lediglich Gundel, die einsam im Tipi liegt, braucht einen kleinen Schubs, um zu ihren Artgenossen hinüber zu wechseln. Mittags müssen wir die Gruppe noch unter der Decke auf der Couch vertreiben, die vier anderen folgen leider Mels Beispiel und spielen U-Boot-Hörnchen. Immer noch stört jedes Geräusch, ein Husten, Türenklappen, das Knacken eines Plastiktritts oder die Geräusche der Degus im Nebenzimmer - so extrem hatten wir das bisher noch nicht.
Am späten Nachmittag besuchen wir Ole, Bob und Schoko im Wildwald dort ist aber "Land unter", ganze Völkerwanderungen sind unterwegs, großer Trubel, nix für Bob und Schoko. Ole kommt und holt sich seine Nüsse ab, er lässt sich nicht beirren, der Hunger ist größer als die Angst, er spielt auch ganz unbefangen im Gehege, auch von den anderen Bewohnern ist nix zu sehen.

04.05.2020
Ein kühler grauer Tag,  die Hörnchen starten nicht direkt mit dem Sonnenaufgang, erst als wir das Zimmer betreten, gibt es Bewegung. Mel und Päppi kommen und klettern auf uns herum, nehmen ein wenig Milch, die anderen sind nur zu erahnen, sie können sich auf dem Kletterbaum auch ganz gut verstecken. Die Nuss- und Frischebuffets sind bestückt, schauen wir mal, was der Tag so bringt.
Tagsüber sind die Kleinen aktiv, Mel und Päppi sind besonders anhänglich, jedes Mal, wenn wir an der Wohnzimmertüröffung vorbeigehen, kommen sie angestürmt.
Im Wildwald am frühen Abend kommt Ole ebenso angerannt und holt sich seine Nüsse ab, so als ob er auf uns gewartet hätte. Bob und Schoko schaffen es wieder nicht...schade.
Im Wohnzimmer bieten wir abends mit geringem Erfolg noch Milch aus der Spritze an, nur Mel und Päppi wollen welche, dafür ist das Schälchen von der letzten Fütterung leergeschlabbert.

05.05.2020
Morgens früh sind die Hörnchen unternehmungslustig, alle wollen spielen und toben, selbst Gundel und Guddi sind dabei. Welchen Unterschied doch ein paar Sonnenstrahlen machen.

08.05.2020
Im Wohnzimmer geht alles seinen Gang, die Hörnchen wachsen und gedeihen und entwickeln sich prächtig, im Wildwald kommt mittlerweile selbst Bob ans Gitter zur Entgegenahme von Leckerlis, Ole zögert sowieso gar nicht mehr, nur Schoko schaut sich das Schauspiel aus sicherer Entfernung an. Das eine Gehege ist leider immer noch mit dem Buntfalken belegt und der Umzugstermin für unsere Kandidaten rückt näher...
Päppi ist ein Prachtbursche und voller Energie, Mel bleibt zierlich und wendig, Guddi und Gundel sind mal mehr und mal weniger schüchtern, bleiben aber lieber auf Distanz und Gudrun ist irgendwo dazwischen, mal mitten im Geschehen, mal überaus vorsichtig. Auch die drei Massener sind richtig hübsch geworden, immer noch etwas klein für Alter, aber die Proportionen stimmen, und motorisch sind alle gut drauf. So kann es weitergehen, dann können wir die Rabauken mit gutem Gewissen in den Wildwald bringen.
Guddi 2020
Guddi und Gundel 2020
Ole 2020


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11.05.2020
Am Wochenende waren wir im Wildwald, auch Bob kommt jetzt ohne Zögern, um sich ein Leckerli abzuholen, die beiden sind prima in Form. Nach wie vor haben sie einen Heidenrespekt vor dem "Gehegechef" mit dem weißen Streifen am Schwanz; wenn der versucht, in den Kobel zu gelangen, in dem Schoko sich aufhält, faucht sie ihn gehörig an und er verzieht sich wieder.
Unsere Wohnzimmerhörnchen haben jetzt auch den Kratzbaum wieder zur Verfügung, nach anfänglicher Skepsis fegen sie ihn jetzt herauf und herunter, sie haben jetzt auch eine zweite Tanne da, die Blumenpötte haben wir mit Holzrindenchips gut aufgefüllt, die sie jetzt gern herausbuddeln, herumwerfen und knabbern. Alle sind gut drauf, motorisch perfekt, unterschiedlich mutig, alle auf einem tollen Weg. Päppi riskiert jeden Sprung, nach einer ungeplanten Landung muss er kurz innehalten und das Krönchen richten, dann gehts weiter. Guddi und Gundel ist das quirlige Treiben immer noch zu hektisch, sie machen ihr eigenes Ding, aber wenn Päppi mal anderweitig beschäftigt ist, trauen sie sich auch in die Toberunde auf uns. Gudrun ist irgendwo dazwischen, uns gegenüber sehr vorsichtig, aber wenn wir uns nicht übermäßig bewegen, traut sie sich auch heran, wir dürfen nur nicht nach ihr greifen, dann ist sie sofort weg. Die schlanke Mel ist häufig mit Päppi auf Tour, sie springt nicht so weit wie er und lässt sich auch von ihm nichts gefallen.
So langsam stellt sich die Frage, wie wir die Auswilderung bewerkstelligen wollen, sie schlafen niemals alle an einem Ort und bisher auch nicht in den Holzkobeln, vermutlich müssen wir vorher den Fleecebaum abhängen, der jetzt ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist. Und das Tipi muss weg, dort gibt Gundel die Einsiedlerin. Schaun wir mal, ein wenig Zeit ist noch.
Gudrun 2020
Ole und Bob 2020
Mel und Päppi 2020


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13.05.2020
Mel bekommt die Krone als erste Bezwingerin der Vitrine: sie rennt senkrecht hinauf und genauso senkrecht wieder hinunter, und das äußerst leichtfüßig. Wow, die letzte Hürde ist bezwungen, jetzt gibt es keine Herausforderungen mehr bei uns. Unsere aktuellen Gäste schreddern die verbliebenen Möbel deutlich mehr als ihre Vorgänger, täglich können wir Holzraspel auffegen. Morgens bei der Frühfütterung, die wir als Ritual immer noch abhalten, gibt es keine Zurückhaltung, wir werden von allen nach Kräften bespielt, bis der Elan verebbt und sich alle ihrem Tagesgeschäft widmen. Päppi zeigt schon erste stereo-Ansätze vor dem Fenster, dort rennt er dieselbe Schleife immer hin und her. Die ganze Bande ist in guter Verfassung und macht uns eine Menge Spaß, so langsam rückt aber der Zeitpunkt der Umsiedlung näher, so ganz lange halten wir sie hier nicht mehr...und so soll es auch sein.
Gestern haben wir eine liebe Nußspende aus Sachsen (!) bekommen, die uns und vor allem natürlich den heimischen Hörnchen weiterhilft, die Ernährungslage draußen wird eher schlechter als besser, das Jahr 2020 scheint auch schon wieder zu trocken zu werden.
Guddi 2020
Nüsse 2020
Mel und Päppi 2020


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19.05.2020
Wie die größer werdenden Abstände der Einträge verraten, gibt es so viel Neues gar nicht zu berichten - Gudrun hat die Absperrung zu Eßraum und Küche überwunden und stand vor den Degukäfigen, ausgerechnet Gudrun, die uns lieber aus der Ferne sieht. Mit viel Geduld haben wir ihr die Gelegenheit gegeben, wieder ins Wohnzimmer zurück zu hüpfen, dann haben wir die Absperrung auf die maximale Höhe gebracht (ca. 180 cm). Alle Hörnchen sind motorisch gut drauf, können klettern und springen, knabbern Sonnenblumenkerne und Zirbennüsse aus der Schale, beschäftigen sich mit Hasel- und Walnüssen, sind kerngesund und vor allem vormittags sehr aktiv, nach einem kurzen Mittagsschlaf gehts auch noch mal am frühen Nachmittag los, dann ist aber schon Distanz angesagt. Wenn wir dann das Wohnzimmer betreten, sind die 3 Massener weg und nur noch Mel und Päppi suchen unsere Nähe. Die Kollateralschäden an den Möbeln nehmen zu, einem Futternapf hat es auch schon den Garaus gemacht, die hohe Vitrine gehen sie mittlerweile auch senkrecht rauf und runter. Päppi hopst von dort auf das Tipi auf der Kommode, das sind schon 2 Meter Luftlinie, und das Tipi weicht dann vor so viel Urgewalt. Sie verstecken gern Futter, der erste Walnussbaum wächst aus dem Topf mit der Tanne, Melone wird auch noch gern genommen und Päppi mag Äpfel.
Die fünf warten eigentlich nur noch darauf, den nächsten Schritt zu gehen und das Außengehege zu erobern...da hockt aber noch der Buntfalke mit dem Flügelproblem.
Ole und Bob im Wildwald kommen sofort zu uns, wenn wir sie besuchen, und holen sich ein Leckerli ab, das hatten wir so auch noch nicht. Schoko sehen wir selten, meistens flitzt sie einmal durchs Gehege und verschwindet dann in einem Kobel; der Gruppenverband scheint noch zu existieren, Ole und Bob toben sowieso gemeinsam herum und sie gesellen sich dann, wenn sie satt sind, zu Schoko.
Ole und Bob 2020
Mel und Päppi 2020
Hörnchen 2020


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21.05.2020
Ole und Bob sind im Lüerwald, wir haben sie heute früh selbst in die Freiheit entlassen, Schoko traute sich nicht in unsere Nähe und sitzt somit noch im Gehege. Die beiden Buben kamen zu uns und kletterten auf uns herum, als ob sie uns erkennen würden, dann haben sie sich vorsichtig nach draußen bewegt als könnten sie ihr Glück kaum fassen. Es ging Richtung Wald und mit viel Geöcke die Bäume rauf und runter - hoffentlich finden sie ihren Platz im Wald und werden etwas vorsichtiger, sie waren schon recht leicht zu sehen und zu hören.
Morgen früh werden wir noch mal schauen, ob wir sie irgendwo entdecken, bei Krümel und Co ist uns das ja im letzten Jahr auch gelungen.
Die anderen fünf in unserem Wohnzimmer warten auf ihre Umsiedlung, motorisch und nach ihrem Entwicklungsstand sind sie auch sicher so weit, aber sie sind eben kleiner als ihre Altersgenossen. Allerdings sind sie auch nur noch schlecht im Wohnzimmer zu halten...schaun wir mal.

23.05.2020
In einer Nacht- und Nebelaktion nach bewährtem Muster bringen wir die fünf verbliebenen Gäste in den Lüerwald - sie waren die Nacht über unruhig, haben natürlich gemerkt, dass irgend etwas anders ist als sonst, schließlich haben wir im Wohnzimmer auf der Couch gelegen und sind nicht zur Nacht nach oben gegangen, außerdem war der Kletterbaum abgebaut und die fünf haben sich notgedrungen im Holzhäuschen auf dem Kratzbaum zusammengefunden. Päppi hat noch ganz lang versucht, uns seine Unzufriedenheit klar zu machen, aber es hat ihm nichts genützt. Gudrun lag die fast die ganze Nacht halb im zweiten Ausgang an der Seite des Holzhäuschens, die Ohren gespitzt, bereit zur Flucht. Um kurz vor vier Uhr morgens ist die Gelegenheit günstig, wir können die Eingänge schließen und haben tatsächlich alle 5 auf einen Rutsch. Ab ins Auto, ab in den Wildwald, dort ins Gehege, Häuschen auf...und dann flutscht auch schon Guddi raus, aber nur, um sich ängstlich in eine Ecke zu drücken. Die anderen folgen nach und nach, die nächsten zwei Tage aber drücken sie sich nur ängstlich aneinander in möglichst geschützten Ecken des Geheges, bewegen sich kaum, nehmen auch kein Leckerli an und sind offenbar höchst unzufrieden mit ihrer Situation.
Das ändert sich später und sie entwickeln sich gut und sind auch Kandidaten für den Lüerwald.
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