| unser hörnchenBlog - Archiv|

12.03.2020
Ole und Bob sind da, heute Mittag hier eingetroffen, aus Olsberg im schönen Sauerland. Sie sind aus dem Kobel unterm Hausdach heruntergefallen, Bob 8 Meter in die Tiefe, Ole in die Dachrinne, beide gefunden von lieben Menschen, und über die Rettungsstation Dortmund zu uns gelangt, d.h. die Finder haben die Fahrt von Olsberg nach Unna auf sich genommen, um uns die beiden zu bringen!
Beide Neuzugänge sind ca. 4 1/2 Wochen alt und bis auf eine blutige Nase bei Bob ohne sichtbare Verletzungen. Beide sollen jetzt zur Ruhe kommen und Vertrauen fassen, jedes Geräusch stört Ole, Bob schläft hauptsächlich. Einige Tropfen Urin konnten wir ihnen schon entlocken, d.h. die Ernährungslage ist i.O., Farbe des Urins war unverdächtig. Wir sind natürlich gespannt, ob aus dem Kobel noch mehr Geschwister zu uns kommen, denn diese zwei Buben sind vermutlich nicht der ganze Wurf.
Wir bieten ihnen immer wieder etwas an, im Moment hauptsächlich Glukoselösung mit Arnikaglobuli, später am Abend versuchen wir es dann mit Milch.
Bob 2020
Ole und Bob 2020
Ole 2020


 Klicken vergrößert...


Unser "Balkonhörnchen" Rosti lässt sich nicht mehr täglich bei uns sehen, immer wenn wir ihn komplett "abschreiben", kommt er dann doch noch mal vorbei und holt sich eine Nuss. Er sieht prima aus, steht gut im Futter, bewegt sich toll, ihm gehts offensichtlich gut, möglicherweise hat er andere Nahrungsquellen in unserem Wohngebiet gefunden. Im Kleingarten zeigt sich auch wieder ein regelmäßiger Kostgänger, nachdem dort einige Wochen lang überhaupt nichts los war. Allerdings geben wir den Garten bald ab, und ob sich unsere Gäste dort zu unserem Balkon umleiten lassen, ist leider mehr als fraglich. Allerdings dürfte ohnehin spätestens mit den nächsten Baumaßnahmen am Autobahnkreuz Dortmund/Unna die große Hörnchenflucht einsetzen.

13.03.2020
Gestern haben die beiden nur ein paar Tropfen Wasser zugelassen, heute früh bei der ersten Frühstücksfütterung gingen mit viel Gehampel auch ein paar Tropfen Päppelmilch (Fox Valley 32/40 for Squirrels), die zunächst vom Finger gelutscht wurden, bei der Gelegenheit haben sie dann auch die Tülle der Spritze entdeckt. Die Nieren arbeiten, aber da oben fast nichts reingeht kommt unten auch recht wenig raus, ein paar krümelige Köttel noch dazu, naja. Und einen Floh konnten wir noch entsorgen.
Insgesamt wird die Abwehr weniger, keine Geöcke mehr, wenn wir sie krabbeln lassen, suchen sie schnell einen Unterschlupf in der Hand oder der Jacke. Sie sind schon noch sehr klein, schleifen den Bauch bei der Vorwärtsbewegung über den Boden, und schlafen sehr viel und eng aneinandergekuschelt. Motorisch haben sie keine Probleme, alle Gliedmaßen funktionieren, wie sie sollen, im Moment sind wir sehr zuversichtlich, dass die beiden in voraussichtlich 6 - 8 Wochen ins Außengehege können. Bis dahin haben sie auch unsere neuen Hörnchenkletterattraktionen getestet :-)
Bob 2020
Ole 2020
Bob 2020


 Klicken vergrößert...


Die Mittagsfütterung war schon wieder ein kleiner Schritt nach vorn, Ole hat einen halben Milliliter Milch genommen und sich mit einem Minibutterkeks beschäftigt, den er weichsabberte und ein paar Krümel laut schmatzend verspeiste. Bob ist da eher noch ein wenig im Chillmodus, er schmatzt einen Tropfen Milch und schläft sofort wieder ein, auch Pipi machen kann er schlafend. Wenn man ihn zu ein wenig Bewegung nötigt, sucht er sofort ein Versteck, Ole schaut dagegen schon mal ein wenig interessiert umher. Die beiden haben jetzt schon unsere Herzen erobert, so viel steht fest.
Gegen Abend dreht sich das Blatt ein wenig: Bob ist interessiert an der Milchspritze, Ole möchte gar nicht so recht - naja, Tagesform wechselt, morgen werden die Karten neu gemischt.

14.03.2020
Zum Frühstück hat sich die Lage ins Gegenteil verkehrt, denn Bob ist wild auf seine Päppelmilch und Ole mag überhaupt nicht. Mit Mühe bekommen wir ein paar Tropfen Wasser in ihn hinein. Das bleibt auch den Tag über so, während Bob, der ja schon bei seiner Ankunft etwas größer und kerniger war als Ole, ordentlich zulangt, will Ole gar nichts mehr zu sich nehmen. Gegen Abend bemerken wir einen uns nicht unbekannten Geruch und richtig: der Kleine hat wässrigen Durchfall. Kommt der nun von der Milch vom Vortag oder plagt ihn irgendwas anderes? Wir untersuchen ihn ganz besonders gründlich, um Parasitenbefall auszuschließen, und wir finden tatsächlich nichts. Der Bub ist ziemlich schlapp und schläft viel und fest, obwohl er am Donnerstag und am Freitag der viel aktivere der beiden war. Klar,  wenn er keine Energie tankt, kann das nix werden. Jede Fütterung wird jetzt zum Kampf um Tröpfchen, die wir in ihn hinein bringen wollen, wir bieten ihm außerdem noch Keks an, den er am Tag vorher ja auch schon ganz spannend fand. Und dazu gibts auch immer wieder eine Grundreinigung. Glücklicherweise haben wir ein Pülverchen von einem seiner Vorgänger griffbereit, das extra für solche Fälle gedacht ist (Elotrans), das sind Elektrolyte. Er lässt sich tatsächlich überreden, einen ordentlichen Hieb davon zu nehmen.
Wir schieben extra noch eine Nachtfütterung ein, leider bei Ole ohne Erfolg, er schlief viel zu fest und konnte die Augen nicht aufhalten. Bob hat auch die Extraration gern genommen.

15.03.2020
Zum Frühstück geht es Ole schon besser, die Lebensgeister kehren zurück, später geben wir noch Kohlestaub in seinen Elektrolytmix - lebhaft ist er, Durchfall hat er immer noch (sehr wässrig). Und Bob macht weiter da, wo er am Vortag schon stand, er trinkt die Milch, saugt mittlerweile richtig, veranstaltet dabei eine Riesensauerei, ist aber prima drauf. Die Nasenkrusten vom Sturz sind bis auf einen kleinen Punkt neben dem linken Nasenloch abgefallen, er niest auch fast gar nicht mehr; beide sind nicht mehr schreckhaft, lassen sich ohne Probleme berühren und klettern auf uns herum. Wenn jetzt noch der Durchfall bei Ole verschwindet, haben wir einige spassige Wochen vor uns, die Unterbringung im Wildwald Voßwinkel ist schon avisiert und wohl kein Problem. Im Gegensatz zu einigen anderen Wäldern in der Umgebung gehts dort noch einigermaßen normal zu, während der "Auswilderungswald" in der Nähe von Iserlohn wohl die letzten beiden warmen Sommer nicht so gut überstanden hat, dort stehen etliche Fichten, ausgerechnet in der "Kobelzone", zum Roden an. Als ob es nicht schon mühselig genug wäre, die Tiere zu päppeln und in die Natur zurück zu führen...
Ole und Bob 2020
Ole 2020
Ole und Bob 2020


 Klicken vergrößert...


16.03.2020
Wir haben uns noch nie so über einen Nagerköttel gefreut wie heute morgen...die gute alte Kohle hat gewirkt, Ole hat keinen Dünnpfiff mehr, sein Köttel hat zwar ne interessante Farbe irgendwo zwischen hellgrau und olivgrün, aber er ist perfekt geformt und definitiv fest - die Buben waren so freundlich und haben getrennt geschlafen, der eine auf dem Kuscheltuch und der andere darunter, so konnten wir ihre Werke gut zuordnen. Oles Poppes sieht auch wieder ganz normal aus, keine nassen und übelriechenden Kotränder mehr, sein Körperduft ist wieder der eines ganz normalen kleinen Eichhörnchens und er hampelt wieder rum wie schon am Freitag morgen. Die Ernährungsfrage bleibt allerdings, denn Milch aus der Spritze, egal ob mit diversen Saugern oder ohne, verweigert er immer noch. Er nimmt einige Tropfen und dann wendet er sich enttäuscht ab und senkt resigniert den Kopf. Fox Valley oder Katzenmilch, mit Honigwasser verschiedener Konzentrationen veredelt oder pur mit Wasser angerührt, alles egal, Milch trinken will der Kleine nicht. Wenn wir ihn überreden wollen und die Spritze in die Backentasche schieben schluckt er einfach nicht und lässt den Segen aus seinem Maul herauslaufen. Wasser trinkt er mit großer Begeisterung - das haben wir wirklich noch bei keinem Hörnchen erlebt. Später, wenn sie nicht mehr angefasst werden wollen und sich selbst versorgen, schlabbern sie auch Wasser aus dem Napf, aber als Couchhörnchen aus einer Spritze? Nö. Umso besser, so ist Ole wenigstens nicht dehydriert trotz seines Flotten Ottos.
Der nächste Versuch ist dann "Steffis Spezialpamp", geriebene Nüsse mit Fox Valley oder mit Gemüsebrei aus dem Babygläschen - und tatsächlich, Ole schlabbert das Zeugs vom Löffel, von der Hand oder dem Arm des Fütternden und nach 2 Minuten sehen wir alle aus wie die Erdferkel. Merken: der nächste Brei sollte in der Konsistenz fester sein, und es ist egal, ob er mit Päppelmilch oder mit Biokarotten angerührt wurde. Aber Ole ist zufrieden, lässt die Urinstimulation über sich ergehen und auch die anschließende Putzaktion und sucht ein genehmes Schlafplätzchen. Die Situation entspannt sich, und so können wir uns wieder ganz dem Coronachaos zuwenden... :-)
Hamsterkäufe (oder "Hörnchenkäufe"?) brauchen wir für unsere Gäste nicht zu unternehmen, Fox Valley und Nüsse sind reichlich vorhanden, nicht zuletzt auch dank freundlicher Spenden mitfühlender Menschen. Die weiteren Notfall-Zugänge, die wir eigentlich für Sonntag erwartet hatten, sind auch ausgeblieben...liegt es nun daran, dass keine Notfälle da sind oder gehen die Leute nicht mehr raus und können somit auch keine Notfälle finden? Wir hoffen natürlich, dass alle Hörnchen da draußen die Sonne und die milderen Temperaturen und die Windstille genießen. Unsere Degus liegen in ihren Käfigen und lassen sich die Sonne aufs Fell scheinen, sie sind Sonnenanbeter erster Güte und sobald die ersten Strahlen in den Käfig fallen, chillen sie auf den warmen Holzböden. Wir haben die Käfige extra auf große Gummirollen gestellt, damit wir sie jederzeit in die Sonne drehen können, und die Investition hat sich ganz sicher gelohnt, wenn man sieht, wie sehr die Tierchen das genießen.
Bob ist heute etwas zu kurz gekommen - er freut sich auf seine Milch, schlabbert seine zwei bis drei Milliliter pro Fütterung, lässt sich die Milchränder abwischen (durch das Honigwasser klebt das Fell und verkrustet, das sieht doof aus und gibt Abzüge in der B-Note, besser man säubert sofort) und sucht sich anschließend einen Schlafplatz. Noch sind die beiden Couchhörnchen, ihr Tatendrang beschränkt sich hauptsächlich auf Fressen und Schlafen, aber das wird sich sicher bald ändern.
Ole 2020
Bob 2020
Ole 2020


 Klicken vergrößert...


Die Abendfütterungen verlaufen prima, Ole ist völlig wild auf seinen Brei und hat nach Sekunden alles damit bekleckert, obwohl wir den mit Schmelzflocken anreichern und etwas weniger Milch nehmen, damit er fester wird, Bob trinkt seine Milch, alles bekommt Routine. Die beiden sind noch ziemlich tapsig und sorgen immer wieder für lustige Einlagen, die Schneidezähne im Oberkiefer sind scheinbar durch und beide können jetzt auch die Schwänze S-förmig auf den Rücken legen. Kratzen mit dem Fuß hinterm Ohr klappt immer besser, sie fallen nicht mehr so oft um und die Krallen erreichen tatsächlich immer wieder mal das Fell. Es wird...

17.03.2020
Bei der Frühfütterung kommen uns die beiden merkwürdig vor - Ole will keinen Brei und Bob keine Milch, Wasser nehmen sie beide, irgendwie ist alles ein bißchen konfus. Wir wärmen die Milch nach, vielleicht ist sie zu kalt, designen den Brei etwas anders mit weiteren Haferflocken und ein paar Sonnenblumenkernen...nö. Der eine geht auf eine kleine Coucherkundung, der andere putzt sich ausgiebig, und nachdem wir uns mit dem breakfast-cancelling abgefunden haben fällt uns auf, dass wir die beiden verwechselt haben. So können wir beiden noch ihr gewohntes Mahl anbieten, ein wenig nehmen sie auch noch, trotzdem suchen sie dann bald wieder Ruhe. Ole hat körperlich offenbar schon ein wenig aufgeholt, Bob hat keine Krusten mehr an der Nase, ansonsten sind die beiden eben Zwillinge, Bob hat ein wenig mehr grau im Fell und er ist noch ein klein wenig größer. Vielleicht sollten wir einem ein Schleifchen ins Haar...Scherz, wir passen jetzt einfach besser auf, vielleicht wars auch einfach für uns zu früh :-) . Bob hat schon mal das Rückenkissen erklommen und dort oben mal nach dem Rechten gesehen, hinter den Kissen liegt die Oberseite der Couchlehne, wir nennen sie "Hörnle-Highway", weil die Vorgänger unserer aktuellen Gäste dort immer wilde Verfolgungsjagden veranstaltet haben.
Hier noch ein paar Impressionen von Oles Breischlacht:
Oles Tischmanieren 2020
Oles Tischmanieren 2020
Oles Tischmanieren 2020
Oles Tischmanieren 2020
Oles Tischmanieren 2020
Oles Tischmanieren 2020


 Fotostrecke: Lightbox, bitte klicken.


Später am Tag bemerken wir, dass bei Ole die oberen Schneidezähne schon einen halben Millimeter herausschauen, er versucht seine Zähne auch bei jeder Gelegenheit, z.B. auch beim Käbbeln - wenn er diniert hat und satt ist, aber noch zu wach um sich, wie sein Bruder, sofort hinzulegen, lässt er sich gern ein wenig krabbeln am Bauch und am Nacken, und dann kneift er auch immer wieder mit den Zähnen zu, spielerisch zwar, aber deutlich spürbar. Wenn er wollte, könnte er locker tief in den Finger beissen, aber es ist halt nur Spiel, unsere Hörnchen haben bisher nur gebissen, wenn sie sich bedroht fühlten.
Zur Zeit testen wir übrigens die Spritzensauger von "Miracle Nipples", die nach den ersten Tagen bei uns den Test bestanden haben, besonders der mit der kurzen Tülle vorn ist klasse, weil die Hörnchen, die ja immer kurz vor dem Verhungern stehen, sich nicht den ganzen Sauger in den Hals schieben können. Bei unseren letzten Hörnchen im Herbst war Cookie, der immer eine herzzerreissende Show geliefert hat (hier ein Video von dem event), Bob ist ihm sehr ähnlich und ein ebenso grosses schauspielerisches Talent.

18.03.2020
Die Frühfütterung war nicht so der Hit, Ole wollte nur wenig Brei, dafür aber ein wenig Milch, aber rumtoben mit der Hand, die ihn füttert, wollte er - immer wieder gern, wenn er nur nicht immer wieder mal im Überschwang des Spiels ordentlich kneift, vor allem wenn die unteren Schneidezähne unter dem Fingernagel ansetzen...er meint es nicht bös. Wir haben den beiden dann mal das Katzentipi gegeben, das im letzten jahr Cookies Lieblingsplatz war, als er noch deutlich kleiner als seine WG-Mitbewohner war...sie waren völlig begeistert, haben darin herumgetobt, geklettert, allerlei Unsinn gemacht, wir haben sie dann später mitsamt dem Tipi in ihren Laufstall gesetzt. Nach der Mittagsfütterung - Ole mit wenig Brei und etwas mehr Milch, Bob nach wie vor mit einem ordentlich Hieb Milch -haben wir die beiden gewogen: Ole 104 g, Bob 130 g. Ole ist viel aktiver als Bob und neugieriger, Bob sucht schnell Sicherheit und beobachtet die Lage aus einem sicheren Versteck heraus. Und so ist es Ole, der auf einmal beschliesst, dass die Couch nicht alles sein kann und am Hosenbein herunter zielstrebig auf die Wohnzimmerfliesen klettert. Dort braucht er erst einmal ein wenig, um mit seinen Beinen auf dem glatten Untergrund vorwärts zu kommen, dann sucht er Wollmäuse und Spinnweben unter der Couch und der kleinen Kommode. Bob folgt ihm, nachdem er direkt auf dem Boden abgesetzt wurde, und so können die beiden erst einmal ein wenig toben.
Bob und das Plüschhörnchen
Ole und Bob unter der Couch
Ole auf dem Tipi


 Klicken vergrößert...


Später sammeln wir sie ein und geben sie in ihren Laufstall, unbeaufsichtigt frei herumlaufen wollen wir sie noch nicht lassen.
Die beiden sind noch keine Woche hier, das geht jetzt aber fix voran.
Ole hat sich bei den späten Fütterungen dann entschieden, doch auch Milch zu bevorzugen und natürlich am liebsten mit dem Miracle Nipple, davon haben wir im Moment aber nur einen, dank der großzügigen Spende der Finder von Ole und Bob aus Olsberg haben wir aber noch 10 weitere bestellt. Die Sauger haben sich einfach bewährt, die gierigen Buben können sich die Spritze nicht so weit in den Schlund ziehen, die Fütterung wird so einfacher und stressfreier, denn wenn ein Hörnchen sich den Schwall Milch in die Luftröhre zieht droht eine Lungenentzündung, die dann wohl tödlich verläuft.
Wir basteln gerade an einem Video unserer Schützlinge und da kann man dann auch die Wundersauger sehen, wir bekommen feedback, dass einige Mitleser sich über ein paar nette Bilder und Beiträge als Ablenkung von der aktuellen "Corona"-Misere freuen - wir auch, die Jungs zaubern uns täglich ganz viel Lächeln ins Gesicht

19.03.2020
Die Frühfütterung läuft mittlerweile, heute ist Bob zu spät aus den Federn gekommen, da war Ole erster an der Spritze, Bob kam aber auch noch zu seinem Recht. Wir versuchen jetzt immer wieder mal, alternativ Obst oder Gemüse oder Nüsse ohne Schale anzubieten, aber da geht noch nicht viel. Ole, der zunächst alles gern ausprobiert hat, experimentiert nicht mehr so gern, und Bobs obere Schneidezähne sind noch nicht ganz so weit, sie schauen zwar schon ein wenig aus dem Kiefer heraus, Oles sind aber schon weiter. Der Schlingel kneift auch ganz gern in jeden Finger, den er erwischen kann, aber wirklich nur spielerisch. Nach der Fütterung wird ein wenig im und am Tipi getobt und die beiden balgen immer wieder - harte Sitten bei Hörnchens, da gehts auch schon mal richtig rund und man zischt sich auch schon mal an. Vermutlich trainieren die beiden und probieren ihre Fähgkeiten und Reaktionen, leider haben die beiden auch nur sich, in einem kompletten Wurf wären da oft noch 2 bis 3 Geschwister mehr, da ist das dann noch ein größeres Gewusel. Nach der Tobezeit wirds wieder verdächtig still im Tipi und richtig: da liegen sie, aneinandergeschmiegt, und träumen von der nächste Milch oder einem Walnußbaumwald...
Ole auf dem Tipi
Der Laufstall
Bob knabbert Keks


 Klicken vergrößert...


Auf den Fotos sieht man schön den Farbunterschied zwischen Ole und Bob (der hat etwas mehr grau an der Flanke). Die beiden haben viel Spaß mit dem Tipi und schlafen im Moment auch drin, wenn sie sich nach der Fütterung zurückziehen, stellen wir das Tipi einfach in den Laufstall, dort können sie uns nicht ausbüxen, uns ist das Risiko einfach zu groß, dass sie sich eine Falte in der Couchdecke suchen , um sich zu betten, und wir setzen uns dann drauf...später können wir es nicht verhindern, aber dann sind sie auch älter und fitter und suchen sich einen Ruheplatz so hoch wie möglich (auf dem Kratzbaum z.B.).
Die weiteren Fütterungen verlaufen ruhig, alles ist eingespielt, die beiden wissen, was sie erwartet, natürlich versuchen sie, der Urinstimulation und der Säuberung zu entkommen, genauso natürlich ohne Erfolg. Am späten Abend, kurz vor der Nachtfütterung haben die beiden einen activity-Schub, kommen beide aus dem Tipi und toben für eine Viertelstunde herum, vielleicht haben sie Geräusche gestört, vielleicht werden sie einfach nur schon selbständig. Wie abgesprochen ziehen sie sich wieder zurück und eine Stunde später müssen wir sie wieder wecken, damit sie satt über die Nacht kommen.

20.03.2020
Zum Frühstück will keiner so recht Milch, Ole verschlingt Möhrenbrei mit Walnuss, Bob muss vielleicht auf seine Figur achten. Im Tipi liegen Walnusskrümel, offenbar beschäftigen sie sich schon mal damit, vielleicht sind sie einfach schon satt. Uns fällt auf, dass beide schon einige Zentimeter springen können, also z.B. aus dem Stand ans Tipi springen, um dann weiter zu klettern oder auf unsere Beine hopsen statt wie bisher sich daran heraufzuhangeln. Toll, wieder was gelernt, und das wird weiter perfektioniert. Die Bewegung am Tipi klappt auch immer besser, sie testen ihre Krallen und die Koordination der Gliedmassen und werden immer sicherer. Lange sind sie keine Couchhörnchen mehr, obwohl der Ausflug auf den Boden bisher noch keine Wiederholung fand, Bob (!) war mal kurz auf Hörnle-Highway, aber kam bald zurück. Gemüse und Obst interessieren sie nach wie vor nicht, Ole verschlingt Möhrenpamp, Bob verzieht nur die Schnute, wenn man ihm welchen anbietet.
Ole beisst jetzt im Spiel auch schon mal kräftiger zu, man kann seine Zähnchen deutlich spüren, und einmal wurde es auch schon ein wenig blutig, also obacht beim Toben. Beide genießen auch mal eine Krabbeleinheit am Bauch, legen sich dafür sogar auf den Rücken, ansonsten spüren wir Vertrauen.
Ab morgen dehnen wir die Abstände zwischen den Fütterungen etwas aus, das nimmt für uns auch etwas Streß raus, und die beiden können es vertragen, ganz sicher. Unsere Miracle Nipples wurden uns bereits von der Post angekündigt, dann können die beiden auch gleichzeitig Milch bekommen.
Ole und Bob sind für uns ein Lichtblick in dieser chaotischen Zeit und lenken uns gehörig ab, sie sind ein Stück heile Welt in all dem Durcheinander dort draußen.

21.03.2020
Das Video der ersten Woche mit den beiden Ganoven ist online, etwas über 3 Minuten lang. Ole und Bob werden aktiver und eigenständiger, sie verlassen schon mal ihren Kobel ohne von uns geweckt worden zu sein und erkunden ihre nächste Umgebung, den Laufstall oder die Couch, alles aber mit großer Vorsicht und zögerlich. Beide Schwänze fächern so langsam auf, die Haare liegen nicht mehr so eng aneinander, und sie möchten nicht mehr so ganz gern angefasst werden, vor allem die Pipiprozedur ist ihnen nicht mehr so recht. Sobald wir bemerken, dass sie selbständig urinieren können, fällt dieser Teil unseres Rituals weg, Gott sei Dank. Solange wir sie überhaupt noch zu fassen bekommen, müssen wir die Milchstippen im Fell endgültig entfernen. Ihre Zähne wachsen sowohl unten als auch oben perfekt kerzengerade, also wohl kein Problem mit Zahnfehlstellungen - das wäre auch ein Albtraum, weil Hörnchen mit ZF kaum auszuwildern sind, denn sie würden verhungern, sobald ihre Zähne die Nahrungsaufnahme verhindern, denn die Schneidezähne wachsen ihr ganzes Leben lang. Ihre Stimmen werden so langsam etwas fester, sie können schon ganz gut ihr Mißfallen ausdrücken und tun das auch immer wieder mal. Obst oder Gemüse mögen sie nach wie vor nicht, Ole entscheidet immer spontan, ob er Brei oder Milch möchte, Bob ist da eher festgelegt auf Milch und als Dessert ein Stückchen leicht eingeweichten Butterkeks.
Die Miracle Nipples sind gekommen, das hilft bei der Fütterung; am Donnerstag morgen bei Melk voor Dieren in Rotterdam bestellt, Samstag Nachmittag geliefert, da gibts nix zu meckern. Die Sendungsverfolgung bei PostNL ist super.
Ole unter dem Tipi
Bob auf dem Riesenhörnchen
Ole und Bob käbbeln


 Klicken vergrößert...


Der Tag geht unaufgeregt zu Ende, aus unserer Sicht ziemlich unwirklich, bei unserem Spaziergang war kaum ein Mensch zu sehen, wir haben noch eben ein paar Kleinigkeiten eingekauft, soweit das bei dem Angebot noch möglich ist, während der eine Supermarkt, obwohl vorher dort zahlreich von verschiedensten Anbietern vorhanden, einen Artikel gar nicht mehr anbieten kann (Tomaten in Dosen z.B. oder Seife im Pumpspender) ist der genau gegenüber beim Discounter ohne Probleme und normaler Auswahl zu bekommen.
Unsere Päppelgäste schlafen, fressen und entwickeln sich mit einem Wahnsinnstempo weiter, auf dem Foto oben sieht man den eher ängstlichen Bob, der das "Überhörnchen" erklimmt. Gute Nacht Jungs, bis morgen.

22.03.2020
Heute morgen die Erkenntnis: Boah ej, sind die groß geworden, und das in nur etwas mehr als einer Woche - klar, bei Hörnles geht die Entwicklung vom nackten und taub-blinden Säugling zum überlebensfähigen Eichhörnchen in vielleicht 14 oder 16 Wochen, in der kurzen Zeit entwickeln sie sich und vervielfachen ihr Gewicht, bauen Muskulatur auf und werden zu einem der besten Kletterer dort draußen, was sie auch sein müssen, um Habicht und Marder zu trotzen. Trotzdem überlebt von 5 Hörnchen eines Wurfes nur eines das erste Jahr!
Unsere Buben sind nach der Nacht regelrecht ausgehungert und nehmen ihre Milch gierig, Ole mal wieder zusätzlich einen Hieb Brei - heute hat er mal wieder eine Kuschelanwandlung, verkriecht sich in meiner Armbeuge und genießt Wärme und meinen sich hebenden und senkenden Bauch. Bei der nächsten Fütterung werden wir sie mal wieder wiegen, wenn sie das zulassen, gesäubert haben wir sie gestern Abend noch ein wenig, so langsam sind sie wieder präsentabel, im Sommer sollen sie ja auch den Mädels im Wildwald gefallen, die sich ihre Paarungspartner sehr sorgfältig aussuchen. Die Sonne scheint, könnte ein kühler aber netter Frühlingstag werden. Gestern hat sich unser Balkonhörnchen Rosti mal wieder ganz kurz blicken lassen, den gibts also noch, das ist toll und macht gute Laune, natürlich hoffen wir, ihn heute auch wieder zu sehen, wir wollten die Balkoncam schon abbauen, weil wir dachten, wir hätten ihn verloren.
Mittags überraschen sie uns mit Eigeninitiative: sie verlassen ihr Schlaftipi (im Laufstall), obwohl wir sie nicht herausgeholt haben, und turnen im Laufstall rum. Wir öffnen die eine Klappe, und tatsächlich, mit viel Vorsicht und nach mehreren Anläufen traut sich Bob heraus und macht einen Ausflug durchs Wohnzimmer, schaut unter jeden Schrank und die Couch und kehrt wieder zu Ole in den Laufstall zurück. Wir füttern sie auf der Couch, sogar Bob knabbert Brei (zum ersten Mal!), danach machen beide einen verwirrten und suchenden Eindruck...ihnen fehlt das Tipi, das noch im Laufstall steht. Wir präsentieren es ihnen auf der Couch und schwupps, sind sie drin. Als es im Tipi ruhiger wird, bringen wir es wieder in den Laufstall und schon kommen sie wieder heraus und klettern dort umher. Sie bekommen jetzt mal testweise halb offene Wal- und Haselnüsse, und die finden sie interessant. Jeder bekommt eine, Ole versteckt seine im Tipi und jagt Bob dessen ab und der schaut etwas sparsam drein. Natürlich bekommt er eine neue, und beide untersuchen sie ganz genau und knabbern auch von der Nuss, wie sie sich ohnehin schon ansatzweise ein wenig selbst versorgen. Von den Snacks, die wir ihnen ins Tipi legen, verschwindet immer mehr, vermutlich in ihrem Bauch, wir finden höchstens noch ein paar Krümel. Springen können sie auch immer besser, immer mehr Distanzen werden springend zurückgelegt, und ihre Gesichter werden immer schlanker, das runde Babygesicht verschwindet und die Ohren stehen mittlerweile fast immer senkrecht. Nachher werden wir noch einmal eine Reinigungsaktion mit dem Borstenpinsel machen, so einige Krusten sind doch noch zu beseitigen.

Bei der Spätfütterung sagt die Waage: Ole hat 137 g, Bob 159 g, sie gedeihen prächtig und machen uns viel Freude. Der Pinsel ist nicht ihr Freund, da gabs reichlich Mecker, aber abends wehren sie sich nicht mehr gar so sehr. Sie könnten auch ordentlich zubeißen, machen sie aber nicht. Und: wir haben einen nassen Fleck gefunden im Laufstall, die unbestechliche Nase hat eindeutig Pipi geschnüffelt, das würde erklären, warum die Urinstimulation heute und gestern nicht sehr erfolgreich war. Ist zwar eigentlich noch ein wenig früh für eigenständiges Pinkeln, aber wir nehmen es gern hin, denn es bedeutet, dass wir sie nicht zwangsläufig immer packen müssen, denn ihre Milch holen sie sich auch freiwillig.

23.03.2020
Frühfütterung wie immer großes Drama ("Wie konntet ihr uns nur solange ohne Futter lassen?"), freiwillig verlassen sie aber das Tipi noch nicht, ein wenig Mut oder Selbstvertrauen fehlt da noch. Später kommen sie dann doch in Eigeninitiative raus und toben durch den Laufstall, aber auch den verlassen sie nur, wenn sie dazu ermuntert werden. Aber das kommt noch, und dann müssen wir endgültig das Wohnzimmer hörnchenfit machen, vielleicht sollten wir heute Abend mal damit beginnen.
Bob turnt
Bob 2020
Ole 2020
Oles Sehnsucht
Ole hat Überblick
Bob auf Tour 2020


 Fotostrecke: Lightbox, bitte klicken.



Bei der ab heute geltenden "Kontaktsperre" denken wir natürlich auch daran, dass zur Zeit kaum jemand hilfebedürftige Eichhörnchen finden kann, weil ja tatsächlich die meisten Leute daheim bleiben und Parks gesperrt sind, auf der anderen Seite sind auch sehr viel weniger Autos unterwegs, die Eichhörnchen im Straßenverkehr erlegen könnten, fiese Stürme und Unwetter hatten wir auch nicht - hoffen wir, dass sich das die Waage hält und tatsächlich weniger Notfälle da sind; die Vorstellung, dass hilfsbedürftige Hörnchen irgendwo liegen und nur einfach nicht gefunden werden oder Finder sich nicht trauen, sich bei Eichhörnchen-in-Not zu melden, ist kein schöner Gedanke. Natürlich beherrscht die Überwindung der Pandemie und ihrer bisher kaum abzusehenden Folgen zu recht jegliches Handeln, trotzdem gibt es auch Lebewesen da draußen, die unsere Hilfe brauchen. Hoffentlich bekommen wir alle das irgendwie hin...

Mittlerweile ist es normal, dass die beiden schon aktiv sind, wenn wir zur Fütterung erscheinen; Milch wird immer mehr zur Zugabe, beide knabbern von den Büffets, die wir ihnen hinstellen, eines mit Nüssen und eines mit Frischware wie Apfelschnitzen und Honigmelone aus Costa Rica - für uns würden wir eine Frucht, die schon eine so weite Reise hinter sich hat, niemals kaufen, aber für die Jungs lassen wir mal fünfe gerade sein, auch wenn es die CO2-Bilanz verschlechtert. Beide machen immer noch tolle Fortschritte, mittlerweile können sie sich putzen, ohne umzufallen, ihre Sprünge werden höher und weiter, alles ist, wie es sein soll. Angeknackte Walnüsse sind immer noch der Hit, damit beschäftigen sie sich gern und knabbern auch die Kerne, andere Nüsse sind noch nicht so gefragt. Abends gibts noch eine kleine Kuscheleinheit...wenn die beiden schon mal drum bitten :-)

24.03.2020
Die erste Fütterung morgens wird von den Jungs mit viel Gier angenommen, sie trinken aber nur eine kleinere Portion, anschließend krabbelt Ole in eine Jackentasche und bleibt noch ein wenig liegen und sucht scheinbar Nähe. Später sehen wir dann, dass sie zurück im Laufstall erst noch einmal eine activity-Runde einlegen und dann, zu unserer grossen Überraschung, eine Stunde vor der nächsten Fütterung, sitzen die beiden an den Büffets und schnabulieren Obst und Nüsse und trinken Wasser aus dem Napf! Das müssen sie eigentlich erst ausgiebig trainieren, denn mit der Zunge Wasser schlabbern und dabei die Nase aus dem Wasser halten oder jedenfalls nicht atmen ist wohl gar nicht so einfach. Offensichtlich haben sie das nächtens schon trainiert, denn sie prusten kaum. Jetzt ist klar, wir werden die Herrschaft übers Wohnzimmer verlieren, heute findet der Umbau statt, und bald suchen sie sich ihren Schlafplatz selbst, vermutlich auf dem Katzenkratzbaum, der dann die höchste Stelle im Zimmer darstellt. Die Spritzenfütterung wird dann auch nur noch die Ausnahme sein, denn wir werden sie nicht mehr zu packen bekommen, die Milch gibts dann ergänzend in einem Schälchen. Den Mund abputzen können sie auch schon, nach der Milchspritze vorhin haben sie ausgiebig die Schnute an unseren Hosen abgewischt...aus Kindern werden Leute, unsere hilflosen Babys sind Heranwachsende geworden. Das ging ganz schön schnell, sie sind noch nicht einmal zwei Wochen bei uns, ob unser Plan mit dem Umzug in den Wildwald Voßwinkel Mitte Mai wirklich funktioniert? Oder sind sie schon bald unterfordert mit den Möglichkeiten bei uns? Wie wird das Wetter im April? Einen Wintereinbruch im Außengehege wollen wir ihnen nicht zumuten...aber noch ist ja Zeit.
Ole am Wassernapf
Ole und Bob am Nussbuffet
Bob am Frischebuffet


 Klicken vergrößert...


In der Mittagszeit flugs das Wohnzimmer umgebaut, man hat ja schon Routine, unsere beiden Haudegen sind völlig überdreht wie kleine Kinder bei der Weihnachtsbescherung, zum Schluß müssen wir sie einsammeln und in einen Kobel setzen, damit sie wieder zur Ruhe kommen. Sie werden jetzt erst einmal einige Zeit brauchen, um ihre Landkarte im Kopf neu zu zeichnen - wo schlafen, wo turnen, welche Wege führen wohin, wo stehen die Futterschalen. Im Vergleich zu vorher hat sich ihr Kosmos erheblich vergrößert und ihre persönliche Freiheit auch, sie können entscheiden, ob sie lieber in der Sonne chillen oder auf den Fliesen Kühlung suchen, wann sie klettern oder lieber was futtern wollen. Milch bekommen sie nach wie vor ergänzend und die eine oder andere Attraktion werden wir ihnen noch anbieten. Ihre Krallen werden länger und schärfer, so langsam hinterlassen sie Striemen auf der Haut, bald müssen wir uns wieder zweilagig kleiden, am besten noch eine Mütze für den Kopf - Erinnerungen werden wach an die letzten zwei Sommer, wo wir bei 30 Grad Außentemperatur mit 2 Hosen und dicken Fleecepullis ins Hörnchenzimmer kamen...trotzdem hätten wir auf keines dieser events, wenn teilweise bis zu 5 Hörnchen an einem herumklettern und Fangen spielen, verzichten wollen. Anschließend Ringelblumensalbe auf die Kratzer, geht schon. Und verheilt nach ein paar Wochen wieder. Ein paar Flugeinlagen haben die beiden auch schon hinter sich, wir werfen sie einfach auf ein Polster aus Sofakissen, sie strecken im Flug sofort alle viere aus und halten die Augen auf, sie landen absolut sicher, später im Wald fliegen sie von Baum zu Baum, vor allem wenn der Marder hinter ihnen her ist, und landen auf den kleinsten Zweigen. Gesteuert wird dabei mit dem Schwanz.
Bob ist recht souverän und gelassen unterwegs, wenn ihm was zu viel wird, zieht er sich zurück. Ole kommt überhaupt nicht zur Ruhe, bis zur Nachtfütterung weiß er gar nicht, wo er mit seiner Energie hin soll. Nach der letzten Milch setzen wir die beiden in ihr Tipi und in den Laufstall, Licht aus, Ruhe im Bau.

25.03.2020
Morgens erwarten sie uns schon im Laufstall, obwohl es noch nicht wirklich hell ist; nach dem Frühstück gehts wieder Richtung Kratzbaum, die Wege werden schnell gefunden, der selbstgenähte Hängekobel lockt, schnell herrscht wieder Ruhe. Wahrscheinlich waren wir mit der Freigabe des Zimmers etwas zu früh, ein paar Tage hätten wir sie noch als Couchhörnchen halten können, naja, zu spät bemerkt. Leider haben unsere Degus Durchfall, vermutlich vom Heu, die Tierärztin hat Kotproben untersucht und bestätigt, dass sich Einzeller darin tummeln, also Wurmkur 2 x täglich, schwierig bei scheuen Tierchen, die nicht an die Hand gewöhnt sind. Und vor allem aufpassen, dass die Bescherung nicht auf die Wohnzimmerbewohner übergreift. Das hatten wir doch schon mal? Noch haben die Hörnchen nix, so soll es bleiben.
Der Tag verläuft recht ruhig, die beiden sind auf ihren Kobel und die aktuelle Etage am Kratzbaum, in der sich der KObelausgang befindet, einigermaßen beschränkt. Wir holen sie ab zur Fütterung, bequemer Weise gleich mitsamt Kobel, wenn wir sie herausklauben, beschweren sie sich, nehmen aber dann gierig Milch. Später am Tag bedienen sie sich wieder ausgiebig am Buffet, blöderweise nehmen sie sich frische Sachen mit in den Kobel, bei jeder Fütterung drehen wir dann das Ding auf links, damit der Matsch rauskommt. Witzig, wie Ole versucht, einen Sonnenblumenkern von der Schale zu befreien, er meckert dabei die ganze Zeit herum und gibt schließlich auf, für so filigrane Bastelarbeit reicht die Motorik noch nicht. Oder als Bob versucht, einen Sonnenblumenkern zu verstecken, das braucht schon viele Anläufe, bis das Vorhaben gelingt und der Kern da liegt, wo Bob ihn haben möchte. Die Minidäumchen und die Schnute arbeiten noch nicht so gut zusammen. Aber die vererbten Programme funktionieren schon jetzt, obwohl ja keine Notwendigkeit besteht, Nahrung zu verstecken, bisher kennen die beiden bei uns nur Überfluß.
Urinstimulation ist jetzt ein Glücksspiel - die beiden kennen natürlich das Ritual: erst Milch, dann Pipi, d.h. meistens beim Nachladen der Spritze versuchen sie, sich vom Acker zu machen; aber wir sind vorbereitet, sind ja nicht unsere ersten Hörnchen, ein Griff und schon befinden sie sich in der Pipiklammer, da gibts kein Entweichen. Manchmal pieseln sie einen ganzen See, manchmal sinds nur ein paar kümmerliche Tröpfchen, aber irgendwelche verdächtigen feuchten Flecken haben wir noch nicht wieder entdeckt, also versuchen wir es weiter.
In der Nacht bleiben sie erstmals in ihrem Kobel am Kratzbaum.

26.03.2020
Morgens wecken, Ole nimmt kaum Milch, Bob trinkt, beide huschen dann nach der Urinverrichtung wieder zum Kratzbaum, Ole schaut sich dort ein wenig um, er bewegt sich mittlerweile mehr durch Sprünge als durch Klettern vorwärts. Er erreicht jetzt jeden Punkt auf dem Kratzbaum, war also auch schon ganz oben unter der Decke und ganz unten auf der Bodenplatte, Bob zieht nach, der Fliesenfussboden ist ihnen noch nicht ganz geheuer. Aber auch Überstände, die Herausforderung für jeden Kletterer (vermute ich), machen ihnen nichts mehr aus, sie haben das Repertoire an Bewegungen drauf. Ein Klimmzug sieht spielerisch leicht aus, die Hinterbeine haben schon ordentlich Kraft. Und sie machen jetzt auch die ersten Erfahrungen mit Sprüngen, die man besser nicht machen sollte: an die Fensterscheibe, an die Wand, auf eine glatte Oberfläche...den Lernprozeß können wir ihnen nicht ersparen, einige Fallschutzdecken liegen an den bekannten Unfallschwerpunkten. Die Wach- und Aktivphasen sind noch nicht sehr lang, einige Minuten, dann gehts wieder in den Kobel zur nächsten Bubuzeit.
Bob schaut raus 2020
Ole auf dem Kratzbaum
Ole 2020


 Klicken vergrößert...


Bei Ole stehen manches Mal die Ohren noch nicht ganz senkrecht...(s.o. Bild rechts)
Die beiden lernen unheimlich schnell, abends springt Ole schon von der obersten Plattform des Kratzbaums auf den Olivenbaum nebenan, gestern hat er da noch gezaudert. Das dreidimensionale Sehen ist bei Hörnchen grundsätzlich nicht gut, ihre Versuche etwas anzufassen endet oft damit, dass die Pfote durch die Luft rudert, ohne das Ziel zu berühren. Wenn wir vor Oles Nase einen Finger hin und her bewegen, kann er ihn nicht "fangen", und dann wird er schnell wütend. Wir haben Bob beim urinieren beobachtet, wir hatten bis dahin die Vermutung, dass er es nicht kann, jetzt gibt es aber keinen Zweifel mehr, er kann es. Ole markiert jetzt ganz oft, er reibt seine "Duftdrüsen" an den Wangen links und rechts über alles mögliche, was ihm in den Weg kommt - bald duftet es hier wieder deutlich nach Moschus.

27.03.2020
Atemberaubend, wie schnell die beiden jetzt den Kratzbaum rauf- und runterklettern. Und sie benutzen uns schon zur Belustigung, wenn wir in erreichbarer Nähe vor dem Kratzbaum stehen, springen sie auf uns und toben an uns auf und ab, Bob braucht immer ein wenig Hilfestellung, er ist einfach vorsichtiger. Wir haben ihnen mal Maronen angeboten, die sie gern genommen haben, ansonsten bleiben Fütterung und Urinstimulation eher Zufallsprodukte. Wir füttern nach wie vor zu festen Zeiten, aber ob sie dann was nehmen und ob sie in die Wattepads strullern ist ungewiß. Mangel leiden sie gewiß nicht. Ole kneift nach wie vor zu kräftig, Bob ist da deutlich zärtlicher, wenn wir Ole für eine Fütterung aus dem Kobel klauben, kann es auch schon mal sein, dass er seine Zähne ganz ordentlich in den Finger haut...aber es ist kein Panikbeißen, immer nur so eine Nuance über dem Zwicken. Spannend wird es, wenn er sich auf eine unserer Schultern setzt und mit seiner Nase das Ohr untersucht - da werden wir schon nervös :-)
Ansonsten sind wir wieder mal schwer begeistert, was die Evolution oder die Schöpfung da zustande gebracht hat.
Bob mit Sepia 2020
Ole und Bob 2020
Ole auf dem Olivi 2020


 Klicken vergrößert...


28.03.2020
Alles ruhig, alles gut, die beiden schlafen, fressen und klettern auf dem Kratzbaum herum, Ausflüge aus eigenem Antrieb gibts noch nicht. Bob ist vorhin aus dem Stand weiter als einen Meter gesprungen vom Tisch zum Hocker vor dem Kratzbaum, wow, damit hatten wir nicht gerechnet. Ole hat bei der zweiten Fütterung einen ganzen See gepinkelt, vorher und nachher gar nichts, das Tuch in ihrem derzeit bevorzugten Schlafkobel oben auf dem Kratzbaum ist mächtig feucht, alles im grünen Bereich. Sie horten immer mehr Nahrung in ihrem zweitliebsten Kobel, da müssen wir ab und zu mal ausleeren, weil auch feuchte Sachen dabei sind. Ansonsten machen sie uns viel Spaß, sie entwickeln sich prächtig, da können sich die Eichkatzen im Wildwald schon mal freuen :-)

29.03.2020
Nix zu berichten, außer dass Ole und Bob mit der Umstellung auf die Sommerzeit nicht einverstanden sind, wir holen sie, weil wir uns nach der Uhr richten, mit ein wenig Zeitzugabe aus dem Tiefschlaf, zur Strafe ignorieren sie uns. Das ändert sich auch tagsüber nicht sonderlich, die Fütterungen sind mau, vielleicht liegts auch am Kälteeinbruch oder dem grauen Wetter.
Abends sind die beiden, die tagsüber keine Milch wollten, völlig verrückt nach einem Schlaftrunk, die geplante Wiegung muss wegen Hyperaktivität einiger der Beteiligten verschoben werden.

30.03.2020
Die Abneigung gegen die Zeitumstellung bleibt, wir lassen uns jedoch Zeit, die beiden behutsam aus dem Schlafkoma zu holen, bis sie freiwillig aus dem Kobel krabbeln, und siehe da, die Fütterung ist ein voller Erfolg, anschließend holen die beiden noch ein wenig Schlaf nach. Heute fällt uns mal wieder besonders auf, wie schlank die Jungs im Gesicht geworden sind, richtig edle Hörnchengesichter haben sie bekommen mit tollen Püscheln an den Ohren. Später am Vormittag tollen sie herum, entdecken jetzt einmal so richtig ihren neuen Kletter- und Spielbaum, der an einer Kette von der Decke hängt. Sie nehmen das Gerät richtig hart ran, leider gibts auch einige leichtsinnige Sprünge in die Umgebung, da wir aber Fallschutzdecken vorher verlegt haben, gibts keine bleibenden Schäden, höchstens an der Eitelkeit. Ole pieselt einen riesigen See in den Kletterbaum, getauft ist er also dann auch, bei der Mittagsfütterung gehts wieder gut rund, Ole fordert eine Druckbetankung mit 2 Spritzen, Bob mampft dafür die Maronen und untersucht erstmals einen Maiskolben, das geht aber wegen der fehlenden Feinmotorik eher nicht so gut. Bob macht heute zum ersten Mal eine Andeutung von "Tschuk Tschuk", er stemmt sich mit seinen 4 Pfoten fest auf den Boden und bewegt den Oberkörper hin und her, ähnlich wie ein Neuseeländischer Rugbyspieler bei der Begrüßung des Gegners; das bedeutet, dass er unsicher ist und erst einmal auf Abwehr geht, er zeigt, dass er etwas bemerkt hat und möglicherweise gleich ausreißt oder zum Angriff übergeht. Auslöser war ein Geräusch auf der Treppe. Der Tagesablauf wird dem unserer bisherigen Gäste immer ähnlicher, d.h. morgens ungefähr eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang bis kurz vor dem Mittag ist activity, danach hält man sich hauptsächlich auf dem Kratzbaum auf, und ab dem späteren Nachmittag ist dann Ruhe angesagt mit gelegentlichen Turnübungen in der unmittelbaren Umgebung des Schlafplatzes, der Kratzbaum wird dann nicht mehr verlassen, mit Beginn der Dämmerung spätestens geht es in den Kobel, und dort beschäftigen sich die Brüder miteinander oder schauen still umher. Nach Sonnenuntergang wird geschlafen, gelegentlich unterbrochen durch ein wenig Gewusel im Kobel.
Hörnchensprung 2020
Ole und Bob 2020
Bob und der Maiskolben 2020


 Klicken vergrößert...


31.03.2020
Während die letzte Fütterung gestern Abend der absolute Hit war (viel Milch, viel Pipi), sind die beiden heute morgen nicht zu locken, sie kommen zwar freiwillig raus und interessieren sich, wollen aber nichts zu sich nehmen. Wir haben gestern auf Fox Valley 20/50 umgestellt (20 % Protein, 50 % Fett), die Folgekost für größere Hörnchen, hoffentlich liegts nicht daran. Hier die amtlichen Ergebnisse der Hörnlewiegung: Bob 217 g, Ole 198 g, die Differenz bleibt, vermutlich hat der eine einfach einen schwereren Knochenbau (hat meine Mutter immer gesagt).
Vormittags sind die beiden wieder auf Erkundungstour und probieren, die Schränke heraufzukommen. Noch rutschen sie einfach glatt runter, aber das wird sich ändern, noch ein paar Tage, dann gehen sie die glatten Kirschbaumholzwände hoch als hätten sie Saugnäpfe an den Pfoten. Der Kletterbaum aus Stoff, den wir mit einer Boxsackaufhängung unter die Decke gehängt haben, ist der absolute Kracher, die beiden lieben das Ding heiß und innig und liefern sich Verfolgungsjagden und verstecken sich, nebenbei ist es der zur Zeit für sie erreichbare höchste Punkt im Raum. Ich habe gestern noch die Kletterseile befestigt, wird alles im Video von der dritten Woche zu sehen sein, hier ist übrigens das von der zweiten, 3 1/2 Minuten aus dem Leben von Ole und Bob zwischen dem 20. und 27.03.2020. Während die Buben sich am Anfang auf einem Handteller zusammenrollen konnten, kann man die Brummer kaum noch mit einer Hand halten, ihre Stimmen werden auch lauter, aus dem zaghaften und schüchternen "Öck" von vor 2 Wochen ist ein richtig bestimmter Ton geworden, dem man anmerkt, was er bedeuten soll. Sie wissen vor allem schon ganz genau, was sie nicht wollen (aus dem Kobel geholt werden, gepackt werden, Urinstimulation, gesäubert werden), sie sind eben typische Pubertierende. Aber sie beißen nicht, und gekniffen wird nur im übermütigen Spiel, da scheint es Regeln zu geben. Wobei Ole immer noch stärker kneift als Bob.
01.04.2020
Gestern Abend noch mal eine Druckbetankung für Ole und Bob, es ging nicht schnell genug, Milch musste es sein, viel Milch. Und gestrunzelt, was die Blase hergibt. Heute morgen herrscht wieder völliges Desinteresse, schnell wieder in den Kobel, dabei sind sie schon wach, als wir um 6 Uhr das Zimmer betreten. Morgenmuffel? Später gibts wieder activity-time, zwei herumtollende Hörnchen, die täglich ihre Fähigkeiten erweitern, heute ist uns aufgefallen, dass sie sich sehr geschmeidig und ästhetisch bewegen, es wird sehr viel gesprungen und...Ole kann mit den Ohren wackeln! Meistens stehen sie senkrecht hoch, aber er kann sie zur Seite klappen noch mehr als auf dem mittleren Bild etwas weiter oben, und dann sieht er wieder kindlich aus. 
Wir werden wegen der Milch, die sie längst nicht so annhemne wie alle ihre Vorgänger doch mal einen mit Fox Valley machen, mal beide Sorten (20/50 und 32/40) parallel anbieten und schauen, ob sie eine lieber mögen...allerdings gedeihen sie ja prächtig, sie bauen auch jede Menge Muskeln auf, mittlerweile landen sie nach einem Sprung im Klimmzug und ziehen sich auf ihr Ziel hinauf oder hängen an einer Kralle kopfüber. Ole begeistert  uns heute um 18 Uhr mit einer "Versteckorgie", er nimmt Nüsse, Pipipads, leere Nussschalen und einen (abgelutschten) Holz-Eispinn und versteckt alles irgendwo: auf der Couch, hinterm Kissen, in einer Korkröhre, alles wird gewissenhaft mit der Nase festgestupst und mit den Pfoten imaginär zugeschaufelt. Wir hätten stundenlang zuschauen können.

Bob in der Korkröhre 2020
Ole und Bob 2020
Ole 2020


 Klicken vergrößert...



 










 


© 2029 Psychology Of Love