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Krümel, Keks, Cookie und Karamell Teil 2 (20.08.2019 - 02.09.2019):

Die drei aus dem Wohnzimmer toben den ganzen Tag, die Jungs brauchen zwischendurch immer mal wieder eine Pause, Krümel aber nicht, sie ist "full of energy" wie der Daimonhase aus der Werbung (oder wars Duracell?). Gegen Abend schließlich kommt auch sie zur Ruhe, wir düsen los und wollen nur eben ein wenig Milchpulver schnorren - und bekommen ein weiteres Hörnchen vermittelt.
Karamell hat die Finderin die Kleine getauft, nach Kopf und Zähnen vielleicht 5 Wochen, aber der Körper ist total abgemagert und knochig, am Hinterteil fehlt Fell, vielleicht von einem Durchfall, was auch den Allgemeinzustand erklären würde. Sie hat keine offenen Wunden, kaum Parasiten, keine Maden, vielleicht haben wir eine Zecke gezogen, so ganz genau kann man das nicht erkennen. Wir versorgen sie mit Elektrolyten, säubern das verklebte Fell, um das ganze Ausmaß ihres Problems zu erkennen, zwischendurch büxt sie einmal aus, so schwach ist sie dann doch nicht oder die Panik machts möglich. Sie erinnert uns fatal an Swiffy, unser erstes Hörnchen, die kam auch so bemitleidenswert und schwach daher mit dünnem Fell und großen Augen. Wie dem auch sei, Karamell ist willkommen, hoffentlich sehen das die anderen WG-Bewohner auch so, sonst wirds schwierig. Die wissen von ihrem Glück natürlich noch nichts, denn sie schlafen ja den Schlaf der Tobefixe; Karamell wird erst einmal den Laufstall bewohnen, die anderen bewegen sich ja schon frei und suchen sich ihre Schlafplätze selbst. Wie das dann alles funktionieren soll mit Außengehege und Auswildern ist im Moment nebensächlich, das klären wir dann zur Zeit.
Toll übrigens, dass die Finderin das Tierchen nicht einfach sich selbst überließ, sondern es uns tatsächlich sogar noch brachte; sie wäre zur Not selbst bereit gewesen, die Kleine zu versorgen...wow, andere setzen ihren Hund aus, wenn sie in den Urlaub fahren. Ganz lieben Dank im Namen von Karamell stellvertretend für viele Hörnchen in Not.

Kara
Kara
Kara

 links:Karamell ist mißtrauisch/Mitte: Karamell knabbert Wassermelone/rechts:Karamell ist viel zu mager



21.08.2019
Karamell ist natürlich im Moment das Zentrum unserer Sorge, offensichtlich hat sie Durchfall. Und sie hat bereits die oberen Schneidezähne, die in der 6. Lebenswoche durchbrechen...wenn man dann z.B. ihre Beine sieht, die nur aus Haut und Knochen bestehen, und ihren kurzen Körper und den im Verhältnis recht großen Kopf: da hat wohl einige Zeit Mangel geherrscht und der Durchfall hat den Rest gegeben. Möglicherweise kann sie auch selbst urinieren, wir haben in ihren Kuscheltüchern Spuren entdeckt, d.h. sie ist wohl noch älter als vermutet - und sie wiegt keine 50 Gramm. Die Finderin berichtete, dass Karamell orientierungslos unterwegs gewesen sei so als ob sie nicht wusste, wohin sie sollte. Kein Wunder, Dehydration und Kraftlosigkeit wären eine Erklärung.
Wir gehen behutsam vor, bieten ihr Wasser mit Zucker und Salz an, einige Tropfen Milch, sie hat schon an einem Stück Wassermelone geknabbert, wir haben die verkrusteten Verunreinigungen vor allem am Hinterteil mit warmem Wasser entfernt und halten sie warm und ruhig und lassen sie schlafen, Pipi haben wir ihr auch schon entlockt.. Erstaunlich, dass nicht mehr Flöhe oder andere Parasiten da waren, aber vielleicht war sie denen schon zu wenig? Sie kann aber auch ganz plötzlich losspringen und einen Fluchtversuch starten, da ist Vorsicht angesagt, die Panik beflügelt die Kleine offensichtlich.
Im Verlauf des Tages wird ihr Stuhl etwas besser, aber ihre linke Vorderpfote scheint ein Problem zu haben, sie schont sie - und sie hasst es, eingesperrt zu sein, sobald sie zum Schlafen in ihre Tragebox kommt, will sie sofort wieder raus. Das wird eine schwierige Mission, ganz sicher. Und sie wird nicht mit den anderen drei Mitte September ins Außengehege können. Und es ist auch eher unwahrscheinlich, dass sie so richtig Vertrauen zu uns fasst, das klappt bei älteren nach unserer Erfahrung eher selten. Trotzdem geben wir uns alle Mühe, so viel steht fest.

22.08.2019
Karamell hatte heute Nacht wieder Durchfall, bei der Fütterung am frühen Morgen ist sie ungnädig, will so gar nichts haben und am liebsten wieder weg und überhaupt...
Wir rufen um Hilfe, fühlen uns überfordert...mittags kommt die Hörnchenexpertin, die sich schon seit über 20 Jahren für Hörnles einsetzt; sie zeigt uns, wie man Hörnchen badet (wenn es denn erforderlich ist), wie man die Blase des Tierchens auf ihren Füllstand kontrolliert, gibt eine ermutigende Diagnose und Prognose für unser Karamell-Hörnchen, damit sind die Zweifel erst einmal besänftigt. Geduld und Behutsamkeit sind gefragt, das sollten wir können, weitere gesundheitliche Defizite sind nicht zu erkennen, und somit haben wir wieder eine Richtung, in die wir gehen können. Karamell nimmt 2 ml Milch, das ist toll, wir versuchen es später noch einmal, bestimmt wird alles gut.

Kara
Krümel
Keks

 links:Karamell braucht noch Zeit/Mitte: Krümel spielt Ball/rechts:Keks nimmt einen Snack


23. und 24.08.2019
Gestern (am 23.) wollte Karamell kaum etwas zu sich nehmen, sie fiepte kläglich und zeigte kaum Interesse an irgendwas. Heute sieht der Fall schon wieder ganz anders aus - sieht nimmt Milch, viel zu wenig zwar, aber immerhin, und sie beschäftigt sich auch mit einer Walnuss. Außerdem läuft sie sehr begeistert im Bad herum, ist pausenlos unterwegs, hopst auf alles, was sie erreichen kann. Der Durchfall zeigt sich nur noch selten als übelriechender flüssiger Brei, eigentlich nur noch morgens, ihre Köttel sind jetzt geformt, aber feucht und weich. Bei ihr scheints aufwärts zu gehen, sie bekommt als nächstes den Laufstall, dann hat sie da schon mal etwas Bewegung, irgendwas spannendes basteln wir ihr da auch noch rein.
Leider hat der Durchfall auch die anderen drei erreicht, Keks hatte ihn zunächst in flüssiger Form, das hat sich jetzt aber gegeben, nun ist es Krümel, die uns mit großen hellen (sandfarbenen) weichen übelriechenden Kötteln beglückt, die sie einfach beim Laufen, vor allem wenn wir da sind, fallen lässt. Wir haben die Ernährung etwas umgestellt, geben Medizin, und hoffen, dass wir das rechtzeitig erkannt haben; die drei Großen sind fit und agil, man merkt ihnen nichts an, wir hoffen das beste.
Cookie und Keks kann man jetzt gar nicht mehr unterscheiden, sie könnten Zwillinge sein, Cookie hat so wahnsinnig aufgeholt, auch motorisch; sicheres Unterscheidungsmerkmal: Cookie kommentiert jeden Schritt mit "Öck"-Lauten, und Keks hat gerade am rechten Hinterbein das Fell verklebt :-( , will sich aber nicht anfassen lassen für eine Säuberung. Krümel wird immer verrückter, noch schneller, noch mutiger, noch schräger - tolles Mädchen, sie lässt uns auch kaum aus dem Wohnzimmer, wenn wir einmal drin sind, entweder müssen wir sie ablenken (schwierig, sie ist ganz sicher nicht blöd) oder warten, bis sie müde wird (kann dauern). Wir entern das Wohnzimmer grundsätzlich nur mit 2 Hosen und 2 Pullis am Leib (toll bei der Hitze), und trotzdem haben wir jede Menge Ratscher in der Haut, besonders an den offenen Stellen wie Hand, Kopf, Knöchel. Der neueste Hit ist übrigens ein Stoff-Babyball mit einer Klingel darin (Klappa von Ikea), die Hörnchen sind völlig begeistert und kugeln damit herum.

Cookie
Keks
Krümel

 links:Cookie schlingt/Mitte: Keks schaut unschuldig/rechts:Krümel mag Sonnenblume


Während wir gestern sehr niedergeschlagen waren wegen der Aussichten, dass alle 4 Hörnchen vom Durchfall befallen sind und Karamell eine sehr schlechte Prognose hat (wir hatten kaum damit gerechnet, dass sie die Nacht überlebt), siehts heute schon wieder etwas freundlicher aus. Natürlich achten wir so gut es geht auf die Hygiene und geben, was derMedizinschrank hergibt und säubern alles, auch unsere Hände und wechseln die Kleidung, wenn wir von Karamell zu den anderen und umgekehrt gehen.
Wir lernen auch hier wieder viel dazu, werden in Zukunft sehr vorsichtig mit der Aufnahme von Neuzugängen in eine bestehende gesunde intakte Gruppe sein.

25.08.2019
Wir haben beschlossen, Karamell nur noch zärtlich Kara zu nennen - sie ist immer noch ein kleiner Morgenmuffel, hat aber schon mal einen Milliliter Milch genommen und wir haben heute morgen keinen Durchfall in ihren Tüchern gefunden. Gleich bekommt sie den Laufstall, wenn wir ihn desinfiziert haben, und eine Inneneinrichtung soll es auch geben. Die Kleine schaut schon etwas wacher umher, scheint auch keine Panik mehr zu haben, wenn sie uns sieht, ist sogar freiwillig wieder in ihre Tragebox, ihr provisorisches Schlafgemach, zurückgegangen. Zusammen mit dem Sonnenschein des zurückgekehrten Sommers sieht alles etwas optimistischer aus.
Viel Spaß gabs beim Frühstück der Großen, die wirklich komplett ausflippen, wenn wir ins Wohnzimmer kommen, sie scheinen jede Menge Lebensfreude verarbeiten zu müssen, zeigen die tollsten Sprünge, balgen miteinander herum; auch dort haben wir keine Durchfallspuren entdeckt, und keines der Tiere zeigt irgendwelche Anzeichen von Schwäche. Wir spielen fangen mit ihnen: sie kneifen uns in die Finger oder das Ohrläppchen, wir krabbeln ihren Bauch im Vorbeiflug - kaum zu glauben, dass sie uns im Nu vergessen haben, wenn wir sie ins Außengehege gebracht haben. Das ist auf der einen Seite eine Gnade (nur deshalb können wir sie hier bei uns päppeln ohne ihre Rückführung zu gefährden) und für uns natürlich auf der anderen Seite auch traurig, schließlich sind wir schon reichlich verliebt in die Tierchen. Aber das wussten wir vorher, alles ist gut so wie es ist.

Aus aktuellem Anlass - und weil wegen Sonntag heute ein wenig Zeit ist - ein kleiner Exkurs zum Thema Eichhörnchenköttel: ein gesundes und normal ernährtes Eichhörnchen produziert harte schwarze fast geruchlose Köttel etwa in der Größe von Weintraubenkernen. Die kann man einfach mit dem Handfeger auffegen. Ein Hörnchen, das mit Fox Valley Nutrition 32/40 for Squirrels ernährt wird (32 % Protein, 40 % Fett), scheidet dann schon mal eher etwas größere sandfarbene und weichere Köttel aus - das ist bei Menschen, die zu viel Fett zu sich nehmen, u.U. auch so. Die riechen auch nicht sonderlich schlecht, auch die sind meist trocken und lassen sich einfach entfernen. Wenn ein Hörnchen von Parasiten befallen ist, wird der Stuhl groß (vielleicht so groß wie ein Pinienkern), weich und riecht übel, wie bei Menschen halt. Wenn die Tierchen durch ihren Kot laufen, verteilen sie ihn, was die Reinigung und die Hygiene deutlich erschwert. Deshalb versuchen wir, ihn sofort nach der Produktion aufzusammeln und dabei nicht zu zerdrücken. Hörnchen kötteln nicht konstant den ganzen Tag über, jedenfalls nach unserer Beobachtung gibt es da vor allem morgens, aber auch abends Zeiten - und wenn ein Tierchen sich erst einmal entleert hat, ist dann auch für eine Zeit Ruhe.
Zum Pipi: das ist wie bei Menschen, riecht nur nicht ganz so streng. Bei gesunden und gut ernährten Hörnchen ist der Urin hell, fast klar, bei kranken oder solchen, die schon länger nicht uriniert haben, ist er gelb und riecht streng. Unsere Hörnchen pinkeln nicht einfach irgendwo hin, in der Regel suchen sie sich bestoffte Flächen, also z.B. die Decken auf den Möbeln oder auch gern mal auf die Kleidung der Pflegeeltern; das kommt besonders toll, wenn der Schlingel vorher einen Weg unter den Pulli gefunden hat und dann aufs T-Shirt so mitten zwischen die Schulterblätter pieselt. Sie pinkeln niemals in den Schlafkobel, haben wir jedenfalls bisher noch nicht erlebt, es sei denn sie sind nicht fit wie unsere Kara z.B.
Insgesamt ist also das Päppeln von Eichhörnchen in der Wohnung kein wirkliches hygienisches Problem, solche Fleecedecken oder auch unsere Kleidung sind schnell gewaschen, was sowieso nötig ist, solange die Tierchen noch Milch bekommen, weil davon der eine oder andere Tropfen auf der Kleidung landet und wegen des Fett- und Honiganteils gern klebt und Flecken macht.

Dann hatte ich eben noch eine Idee: hier sind mal Fotos von unseren Strategen im Vergleich nebeneinander, links als sie zu uns kamen, rechts gestern Abend.

Cookie
Cookie

 links:Cookie klein/rechts:Cookie ist ein Brummer



Krümel
Krümel

 links:Krümel klein/rechts:Krümel ist eine Schönheit



Keks
Keks

 links:Keks klein/rechts:Keks groß


Und dann gleich noch Kara und ihr neues Domizil:

Kara
Kara

 links:Karas Laufstall/rechts:Kara im Schlafsack

Nachmittags dreht Kara noch eine Runde durchs Bad und köttelt ausgiebig und macht selbständig Pipi und überrascht uns anschließend, weil sie ihren Laufstall jetzt doch wohl angenommen hat und sich umsieht und beschäftigt. Dabei entdecken wir, dass sie schon aus dem Napf trinken kann - aber jedes Geräusch versetzt sie in Angst und Schrecken.
Die andere Meute tobt mit uns herum, nimmt gern Milch (da haben wir die Medizin reingeschmuggelt) und wird irgendwann müde, da brauchen wir keine Tricks, um aus dem Zimmer zu kommen.
So weit so gut, wieder ein Stück weiter, es ist jedenfalls nichts schlechter geworden, ganz im Gegenteil, einige Fortschritte hats gegeben, freuen wir uns auf morgen.

26.08.2019
Die Verdauungslage bei Hörnchens ist nach wie vor ernst - es wird viel, groß, hell, breiig und übelriechend geköttelt, alle sind betroffen, wir werden wohl ein neues Waffenarsenal auffahren müssen. Ansonsten sind alle lebhaft und fit, bewegen sich gut und gern, Kara hüpft durch den Laufstall, wenn sie sich unbeobachtet fühlt, ihre Scheu scheint ein klein wenig abzunehmen. Wir lassen sie im Bad joggen - merkwürdigerweise köttelt und uriniert sie erst, wenn wir sie dort auf den Boden gesetzt haben. Tolle Manieren, könnten sich die anderen mal abgucken, so lässt sich ein Hörnchenappartement leicht sauber halten.
Die Großen sind gut unterwegs, allen voran Krümel, die stündlich neue Weiten beim Springen erreicht. 1,5 Meter sind kein Problem und sie fliegt nicht einmal in einer Kurve, sondern verliert kaum an Höhe. Sie ist mit Abstand das fitteste Hörnchen, das wir bisher hatten, auch ihr Tempo bei ihren Parcoursläufen hat noch nie jemand vor ihr erreicht. Die Jungs sind da behäbiger, schleppen aber auch mehr Masse mit sich rum. Mittags ist es dann soweit: Krümel kommt uns im Esszimmer, das ans Wohnzimmer grenzt, entgegen, sie hat das Trennbrett mit einem Sprung überwunden. Bei der Hitze sind natürlich alle Fenster auf, also muss Krümel sofort wieder zurück. Ihr kurz behoster Pflegevater ist als erster zur Stelle und opfert sich, Krümel freut sich toll, pinkelt aufs T-Shirt und flitzt die nackten Arme und Beine rauf und runter, und als wir endlich wieder hinter der Barriere sind, kommen auch noch Keks und Cookie hinzu. Alte Männer in kurzen Hosen sind vermutlich sowieso eine optische Zumutung, jetzt gibts wohl einen weniger, zumal die Beine erst wieder verheilen müssen. Ringelblumensalbe hilft da übrigens, die lindert auf jeden Fall das Brennen der Haut. Die Hände sehen auch toll aus, Leute die unsere Leidenschaft für Hörnchen nicht kennen fragen schon mal, woher denn diese Kratzer kommen. "Katze, woll?". "Nee, Eichhörnchen". "Häh?". Krümel möchte immer wieder ihren Erfolg wiederholen, es hilft nichts, wir müssen umbauen. Eine Kommode, die als Sprungschanze diente, wird sofort um 90 Grad gedreht, das bringt für heute Ruhe rein. Und heute Abend müssen wir die letzten Relikte des typisch deutschen Wohnzimmers, Fernseher und Spirituosenflaschen, abräumen, weil Krümel die auch bald erreicht.
Kara bekommt mittags einen kleinen Katzenkratzturm als Ergänzung für ihren Laufstall, den wir ihr im Badezimmer nahebringen wollen, dort köttelt sie erst einmal wie gewohnt eine ordentliche Portion, aber mit dem Turm fängt sie im Moment nix an, dafür klettert sie an uns herauf bis auf die Schultern - das ist vermutlich der natürliche Drang der Hörnchen, den höchsten Punkt zu beherrschen, von dort hat man den besten Überblick und kann die Gefahr, die von unten droht, besser beobachten. Leider neigt Kara zu stunts wie Tom Cruise in "Mission Impossible", nur leider landet sie dabei nicht so elegant wie Tom, aber unermüdlich klettert sie wieder hoch und versucht ihr Glück aufs Neue. Sie hat offenbar einen eisernen Willen und ist trotz ihrer nur drei gebrauchsfähigen Pfoten flink unterwegs, sollten wir den Durchfall in den Griff bekommen, muss als nächstes die linke Schulter genauer untersucht werden. Sonst ist sie höchstens ein Fall fürs Gnadengehege.
Außerdem wollen wir noch versuchen, für die Großen eine Tanne mit Ballen zu bekommen, damit sie darauf herumklettern können, hatten wir für die Vorgänger auch, war ein toller Erfolg. Leider ist es mitten im Sommer nicht so einfach, einen Weihnachtsbaum zu kaufen und einfach irgendwo ausbuddeln werden wir natürlich keinen. Aus der Pfalz wird uns eine ordentliche Nussspende avisiert, das sind gute Nachrichten.
Habe ich oben von 1,5 Metern geschrieben? Krümel springt auch locker 2 Meter, es gibt kein Halten mehr, sie ist hyperaktiv und bringt uns an unsere Grenzen - keine Ahnung, wie das noch 4 Wochen gehen soll, sie ist jetzt schon hoffnungslos unterfordert. Die Jungs sind so aktiv, wie wir es von unseren bisherigen Gästen gewohnt sind, die brauchen sicher noch eine Weile, bis sie alles ausgelotet haben, aber Krümel...? Sobald der Durchfall  besiegt ist, sollen die drei schnellstens ins Außengehege im Wildwald, Krümel wird auch dort vorpreschen, dann sollen sie dort ein oder zwei Wochen länger als geplant bleiben. Unser Weihnachtsbaumkauf war ein Schlag ins Wasser, wir holen jetzt den Olivenbaum und die eigentlich zu kleine Tanne vom Balkon rein, keine Ahnung, wie lange die Krümel Widerstand leisten...

27.08.2019
Die Lage ist ernst, der Durchfall hält an, wir geben ein Antibiotikum. So weit so schlecht - Wildtiere und Antibiotika passen nicht gut zusammen - und wie gibt man 3 fast erwachsenen Hörnchen etwas, das offensichtlich völlig beschissen schmeckt? Cookie ist im Moment noch gutmütig und naiv, bei ihm geht das. Wenn Keks sich in die Nähe der Spritze bewegt und den Schlund öffnet, bekommt er die Ladung rein (0,2 ml Wasser mit dem gelösten Medi), anschließend sofort Milch oder eine Marone. Krümel ist die pfiffigste von den dreien, nicht für Geld und gute Worte ist sie zu bewegen, da hilft nur unmittelbarer Zwang, also festhalten, Spritze in die Futterluke und abgedrückt. Sie beschwert sich lautstark, kommt aber anschließend wieder, das Grundvertrauen ist im Moment noch nicht gefährdet. Cookie wird anschließend noch grundgereinigt, er hat die letzte Ladung Durchfall noch im Fell kleben - er zappelt und jammert, aber er beißt nicht und er kratzt nicht, nach der Prozedur säubert er sich selbst noch und muss dann erst einmal eine Runde Bubu machen. Alle drei haben ihren ureigenen Charakter, jedes seinen eigenen Charme, aber im Moment ist Cookie der, der unsere Motivation noch mal besonders befeuert, vielleicht auch, weil er noch so klein und tapsig war, als wir ihn bekamen (ist das wirklich erst 3 Wochen her?), und wegen seiner Gutmütigkeit und er kommentiert nach wie vor jeden Schritt mit zahlreichen "Öcks". Krümel bringt uns immer wieder an den Rand der Verzweiflung, sie ist unheimlich fit und irrsinnig anstrengend.

Keks
Krümel
Krümel

 links:Keks im Olivi/Mitte: Krümel braucht Abkühlung/rechts:Krümel mag Sonnenblume


Kara trinkt viel zu wenig Milch, aber sie mampft Nüsse aus ihrem eigenen Laufstall-Buffet, insgesamt macht sie Fortschritte, legt etwas zu, bewegt sich auf 3 Beinen einigermaßen flink, fällt nicht bei jedem Geräusch in Panik. Aber auch sie leidet unter dem verfluchten Durchfall, wir würden so gern etwas wegen ihres lädierten linken Vorderbeins unternehmen, aber dafür ist sie noch zu schlapp. Ihr Fell wird schon glatter, die Krusten an der Nase sind fast komplett weg, irgendwie sieht sie aus wie eine Miniausgabe eines Sauriers aus Jurassic Park mit ihren großen Füßen und der Kopfhaltung, ich schaue mal, ob ich davon ein Foto finde.
Die Außentemperaturen geben den Hörnchen den Rest, immer wieder legen sie sich platt auf die Wohnzimmerfliesen, selbst Toastie das Balkonhörnchen legt sich draußen auf den Bauch, alle viere weit von sich.
Der Olivenbaum ist natürlich der Renner, nur sehr lange wird er den Schadnagern nicht standhalten...armer alter Olivi, so viele Winter im Wohnzimmer gehätschelt und nun Opfer von drei hyperaktiven Heranwachsenden.

28.08.2019
Ein weiterer drückend heißer Tag mit vier Durchfallhörnchen, wir können nicht erkennen, ob die Tierchen wegen der Hitze träge sind (natürlich nicht Krümel) oder wegen der zehrenden Krankheit. Kara hält immer, wenn wir sie aus ihrem Laufstall holen, inne, dann wissen wir, dass sie ins Bad an ihren angestammten Platz unter dem Hängeschrank neben der Personenwaage möchte, um ausgiebig zu kötteln und Pipi zu machen. Erst wenn das Geschäft erledigt ist, wendet sie sich der Milchspritze zu oder joggt durch den Raum. Neuerdings sucht sie immer die Kapuze am Pulli ihres Pflegevaters auf und legt sich dort hinein. Sie darf dann mit und lässt sich herumtragen, meistens ist nur das Geräusch ihrer Zähne zu hören, die sie aneinanderreibt (wir nennen das "kneufeln", keine Ahnung, ob es das Wort gibt).
Krümel ist nach wie vor sehr aktiv, gönnt sich aber auch Pausen, Cookie macht eher mehr Pausen und ist ab und zu aktiv und Keks liegt irgendwo dazwischen. Wir würden so gern Fortschritte sehen, im Moment haben wir aber den Eindruck, dass unsere Großen etwas weniger werden, also schon an Gewicht verloren haben. Wir werden sie wiegen, bei Kara ist uns das schon gelungen, sie wiegt lumpige 60 Gramm.
Krümel wiegt 220 Gramm, Cookie auch, Keks etwas mehr (der wollte sich nicht wiegen lassen, vielleicht ist er eitel?), wir müssen das ja auch für die Dosierung der Medis wissen. Die Antibiotikumgabe um 18 Uhr hat wieder was von Vergewaltigung, Krümel und Keks müssen gezwungen werden und quieken arg, aber sie beißen und kratzen nicht und kommen anschließend sofort wieder.


Kara
Kara
Kara

 links: Kara als Minisaurier/Mitte: Kara köttelt/rechts: Kara muss sich erholen


29.08.2019
Dasselbe Bild: alle haben nach wie vor Durchfall, wir erhöhen bei Kara jetzt die Dosis, die drei Großen sträuben sich gegen die Medigabe, quieken und jammern, werden aber nicht aggressiv und kommen nach der Prozedur sofort wieder und nehmen das Friedensangebot (Milch aus der Spritze all-you-can-schluck) gern an. Heute kommt beim Lüften sogar mal kühle Luft rein, draußen geht gerade ein mächtiger Regenschauer runter mit riesigen Tropfen; der Donner lässt einige Hörnchenohren nach oben schnellen, ansonsten ist es ein eher ruhiger Tagesbeginn. Könnte auch damit zusammenhängen, dass es natürlich täglich später hell wird und wenn wir wie immer morgens um viertel vor sechs unser Hörnchenbattle beginnen, ist es draußen fast noch dunkel. Nützt aber nix, da müssen unsere Gäste durch. Gestern haben wir noch eine Großbestellung Desinfektionsmittel und Medis gemacht, atemberaubend, was da so durchgeht.
Kara möchte nicht mehr mit der Spritze Milch nehmen, sie schlabbert sie jetzt lieber aus dem Napf - das ist in Ordnung und wohl auch altersgerecht. Wenn wir sie wecken, bringen wir sie sofort ins Bad, und wenn wir nicht zu spät waren, flitzt sie sofort unter den Schrank (s. Foto oben Mitte) und verrichtet ihre Notdurft.  Dann erst gehts auf Joggingtour, mit leerem Darm und Blase läufts sich auch leichter.

Keks
Cookie
Krümel

 links: Keks chillt/Mitte: Cookie snackt/rechts: Krümels Schwanz mal romantisch



Der Tag verläuft unspektakulär, Kara sucht sich wieder ihren Platz in der Kapuze; wir tauschen dann einfach die Jacke als ich los muß, d.h. Steffi übernimmt, und so kann Kara weiter dort chillen, es scheint ihr ja zu gefallen.
Abends um 18 Uhr der übliche Törn: die Großen sind arglos, freiwillig nehmen sie ihre Medis nicht, also überlisten wir sie und unter großen verbalen Protesten schlucken sie widerwillig, anschließend gibts Milch und Maronen und heute sogar noch mal frische Haselnüsse von unserem Strauch im Garten, wo die "externen" Hörnchen noch ein paar drangelassen haben. Anschließend lassen sie sich bereitwillig knuddeln, alles ist wieder gut - nur der Durchfall nicht. So langsam gehts an die Substanz, wir geben jetzt schon tagelang das Antibiotikum, es muss doch mal irgendeine Änderung eintreten. Auf diese Erfahrung hätten wir gern verzichtet, vor allem für unsere tapferen Hörnchen, aber uns langts jetzt auch so langsam.

alle drei
Keks
Krümel

 links: Gruppenfoto mit Sonnenblumenkernen/Mitte: Keks chillt die Basis/rechts: Krümel neben Ole, dem Stoffschaf


30.08.2019
Große Katastrophe: Kara lahmt jetzt auch auf dem rechten Hinterbein, sie setzt den Fuss kaum auf, kann sich damit nicht abstützen und ist noch mehr gehandicapt, das "Kniegelenk" scheint entzündet zu sein. Trotzdem zeigt sie unermüdlich, dass sie will und versucht alles, um vorwärts zu kommen. Habe sie heute mehrmals in der Kapuze herumgetragen, das hat ihr gefallen, glaube ich, wir haben zusammen Wäsche aufgehängt und sind zum Briefkasten und zum Mülleimer gegangen. Nichtsdestotrotz: sie bekommt seit Tagen ein Antibiotikum und die Malaisen nehmen zu statt ab - da stimmt was nicht. Sie kann kaum selbständig fressen, mit der lädierten linken Vorderpfote kann sie keine Nuss festhalten, und wenn sie jetzt kaum noch laufen kann...da müssen wir wohl noch einmal Hilfe holen.
Bei den anderen läufts unverändert, sie kötteln ganze Berge, sind aber aktiv und machen eine Menge Schabernack - die Verabreichung der Medis ist nach wie vor schwierig, bisher haben wir es aber immer gelöst. Unsere Taktik: den mißtrauischen Keks als ersten schnappen, wenn er noch nichts Böses ahnt, die anderen beiden kann man eher schon mal packen, Cookie z.B. gibt auch gern mal das Taschenhörnchen, da muss man ihn dann nur einsammeln und Krümel ist immer mächtig neugierig und dann gern mal unvorsichtig. Und für den Fall, dass wir mal unbehelligt von den Dreien das Zimmer verlassen möchten, haben wir ein Leckerli (z.B. ne Marone) griffbereit, denn das Hörnchen an sich zieht sich mit seiner Beute gern zurück und genießt allein, und dann ist Zeit genug, um durch die Tür zu huschen...
Die nächste Katastrophe scheint die Baumhaselernte zu werden: während Hasel- und Walnußbäume gut tragen und eine gute Ernte versprechen, sind bisher die Erträge unserer letztjährigen guten Gratis-Sammelstellen kümmerlich, und auf den Bäumen hängt wohl nicht allzu viel. Mist.
Hier gibts noch mal ein Video mit gesammelten Szenen der letzten 4 Wochen.

31.08. bis 02.09.2019
Wenig Änderung, Cookie ist noch voll mit seinem Durchfall beschäftigt, die anderen beiden Großen scheinen etwas weniger Probleme damit zu haben. Die drei müssen so langsam raus, sie werden stereo und sie sind hoffnungslos unterfordert. Wir wollen "unserer" Tierärztin noch einmal Stuhlproben bringen.
Kara zaubert uns immer wieder trotz des Elends ein Lächeln ins Gesicht, sie ist schon ein eigenwilliges Hörnchen. Der Badezimmertrick funktioniert immer wieder, sie rennt unter den Hängeschrank, verrichtet ihre Notdurft und sucht anschließend die Kapuze am Pulli ihres Pflegevaters auf. Die Verwirrung war heute groß, als die Pflegemutter mit einem hellblauen Kapuzenpulli kam (der andere ist schwarz!), der wurde erst nach einigem hin und her akzeptiert. Dann lässt sie sich aber auch bereitwillig herumtragen bis sie dann irgendwann unruhig wird, vermutlich weil sie ins Bad möchte...mit ihrem linken Vorderbein geht noch immer nichts, das rechte Hinterbein kann sie immerhin für leichte Stützaufgaben einsetzen, die Zehen spreizt sie aber nicht, ihr Stand wird dadurch unsicher. Auf dem rechten Vorderbein hat sich eine "Beule"gebildet, vielleicht eine Eiterpocke, sowas hatten wir bei Luis schon mal. Das linke Auge ist auch schon mal gelegentlich zugeschwollen oder mit Eiter belegt...als der liebe Gott den Mist verteilt hat, hat Kara ganz laut "hier!" gerufen. Sie wird uns auf jeden Fall noch einige Zeit erhalten bleiben, keine Ahnung, wie sie sich noch entwickeln wird. Wir haben schon mal vorsichtig darüber nachgedacht, sie hierzubehalten, dazu bräuchten wir eine Genehmigung von der Kreisverwaltung, weil Eichhörnchen unter Schutz stehende Wildtiere sind, die man nicht einfach so zu Hause halten darf. Aber das ist wie gesagt nur ein loser Gedanke und hängt natürlich davon ab, wie gesund und fit Kara wird - sofern sie auch nur die geringste Chance hat, in den Wald zu kommen, wird das ihr Weg sein.

Kara
Krümel
Keks

 links: Kara auf Ritt/Mitte: Krümel ruht/rechts: Keks vor der Hütte




 










 


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